Wohnungsnot im Rheinland: Warum Grünflächen wichtig sind

Meinung : Erst muss der Leerstand behoben werden

Der Plan klingt perfekt: Im Umland von Düsseldorf und Köln soll bezahlbarer Wohnraum entstehen, der gut an die Bahn angebunden ist. Doch vorher sollte die Landesregierung ein anderes Problem beheben.

Es klingt nach der perfekten Lösung: Jemand, der in Düsseldorf arbeitet, dort aber keine bezahlbare Wohnung findet, kann sich nur 20 Minuten Bahnfahrt entfernt für sein Geld eine schicke Bleibe leisten – bekommt im Zweifel noch gute Landluft obendrauf und trägt zur guten Stadtluft bei, weil er gar kein Auto für die Pendelei braucht. Aber Lösungen komplizierter Probleme sind selten perfekt. Sonst wären die Probleme ja nicht kompliziert.

Und die Wohnungsknappheit in NRW ist ein kompliziertes Problem. Das Credo der Landesregierung heißt: Bauen, bauen, bauen. Ministerin Ina Scharrenbach folgt dabei einer Marktlogik: Derzeit gibt es mehr Nachfrage als Wohnungen und das macht sie teuer; gibt es irgendwann mehr Wohnungen als Nachfrage, werden sie insgesamt günstiger. Und angesichts der großen Not muss dann eben mal ein Acker geopfert und etwas dichter gebaut werden.

Der Aktionismus ist verständlich, weil eben nicht nur die Not groß ist, sondern auch der öffentliche Druck auf die Bauministerin. Sie wird daran gemessen, wie viel Wohnraum sie schafft. Dennoch muss klar sein: Viel ist nicht alles, der Aktionismus braucht Grenzen.

Das Land gewinnt nicht, wenn es seine eigene Lebensmittelversorgung kappt oder jede Grünfläche entlang der Schiene vernichtet. Und Großstädter auf Wohnungssuche gewinnen nicht, wenn sie auf dem platten Land in Reißbrettsiedlungen hocken, deren einzige Attraktion ein Regionalhalt in drei Kilometern Entfernung und einziger sozialer Kitt die allmorgendliche Pilgerei dorthin ist. Menschen müssen nicht nur wohnen, sie müssen auch schön oder doch zumindest annehmbar wohnen.

Und bevor dafür Grün unter die Planierwalze kommt, lohnt ein Blick auf bestehende Quartiere mit Leerständen in den Städten um Düsseldorf und Köln, die es gibt und die mit Modernisierung und besserer Anbindung ebenfalls attraktiviert werden könnten.

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