Wohnraum aus dem Drucker: Politik macht (3D-)Druck

Meinung : Wohnraum aus dem Drucker - Politik macht (3D-)Druck

Es ist eine kluge Idee der NRW-Politiker, sich jetzt auf den Weg in die Zukunft zu begeben und ihre noch spinnert anmutenden Verheißungen nicht als Hexenwerk zu verstehen.

Bisweilen wundert man sich selbst, wie konservativ man als Deutscher denkt. Da liest man den Antrag von CDU und FDP, die künftig Wohnraum für NRW aus dem 3D-Drucker schaffen wollen, und tippt sich an die Stirn. Bis man die vielen Beispiele vor Augen geführt bekommt, die es auf der Welt in diesem Bereich bereits gibt.

So geht es uns leider viel zu oft. Wie spinnert und sehr weit weg wirkte die Idee des autonomen Fahrens einst – jetzt steht die Technologie quasi vor der Marktfähigkeit und China braust uns fahrerlos davon. Das Vertrackte an der Zukunft ist, dass sie nicht immer künftig bleibt. Irgendwann steht sie vor der Tür.

Ein Kommentar von Juliane Kinast. Foto: Judith Michaelis

Diese einfache Lehre vor Augen ist es eine kluge Idee der NRW-Politiker, sich jetzt auf den Weg in die Zukunft zu begeben und ihre noch spinnert anmutenden Verheißungen nicht als Hexenwerk zu verstehen, sondern als Chance auf Gestaltung. Wird in zehn Jahren jedes neu gebaute Haus in Nordrhein-Westfalen aus einem 3D-Drucker kommen? Wohl kaum. Aber kann die günstige, schnelle und flexible Technik eine Komponente in einer Gesamtstrategie sein, um im Wohnungsmarkt, der auf lange Sicht unter Spannung stehen dürfte, für ein bisschen Entspannung zu sorgen? Denkbar. Und man muss ja schon gar kein Spinner mehr sein, um beim Anblick der Videos vom 3D-Brückendruck in Amsterdam oder China an die vielen maroden Rheinbrücken in der Region zu denken.

Der Forschungsstandort NRW ist gut aufgestellt. Das Land hätte durchaus Möglichkeiten, beim 3D-Häuserdruck vorne dabei zu sein. Aber es braucht auch eine Politik, die ihm komplizierten und behäbigen Baurecht Platz schafft für neue Verfahren. Andererseits darf auch ein gedrucktes Haus natürlich nicht beim ersten Windstoß umfallen, Standards für Statik und Material sind unerlässlich. Ermöglichen, fördern, begleiten und regeln – so sollte die Politik (3D-)Druck machen.

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