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Wo Lewandowski Anstand und Respekt gefehlt hat

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Wo Lewandowski Anstand und Respekt gefehlt hat

Robert Lewandowski im Spiel gegen den FC Schalke 04. Bayern gewann 8:0. FOTO: dpa / Matthias Balk

Meinung Im Spiel des FC Bayern gegen Schalke 04 hat unseren Kommentator eine Szene aufgeregt.

Die 69. Minute hat eigentlich alles über das Eröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und dem FC Schalke 04 gesagt. Es war die Szene, an deren Ende Thomas Müller das 6:0 erzielte. Dieses Ergebnis allein wäre für ein Bundesligaspiel schon bemerkenswert gewesen. Aber am Freitag kamen die bemitleidenswerte Chancenlosigkeit der Schalker und ein Robert Lewandowski hinzu, der sich durch und durch als Profi erwies - diesmal jedoch als einer, der die Schattenseiten dieses Wettbewerbs um Ruhm und Reichtum beleuchtete. Die Bayern hatten sich wie in einem Trainingsspiel vor das Tor der Gäste kombiniert, Lewandowski verpasste im ersten Anlauf den Zeitpunkt für den Torschuss, düpierte darauf hin mehrere Gegenspieler, um den links vom Standbein liegenden Ball dann per Zirkuskunststück mit rechts zu Müller zu spielen - 6:0. Dass noch zwei Gegentore folgen sollten, zeigt, wie demoralisiert die Schalker gewesen sind.

Den meisten Fans des FC Bayern wird das Kabinettstücken Lewandowskis gefallen haben, und sehr oft ist es auch eine Augenweide, dem Polen zuzuschauen, wie er ein Tor nach dem anderen erzielt oder auch für seine Mitspieler vorbereitet. Aber in diesem Augenblick, in jener 69. Minute ist er einen Schritt zu weit gegangen. Bei aller Freude am Spektakel, den Gegner lächerlich zu machen, hat mit Fußball nichts zu tun. Mangelnde Sensibilität? Arroganz? Siegeswillen? Unstillbarer Torhunger? Egal.

Es hat vor einigen Jahren einmal ein Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und San Marino gegeben. Es endete 13:0. Ein normales Ergebnis für die Kräfteverhältnisse. Doch eine Szene blieb haften. Es war der Moment, in dem ein Spieler San Marinos den deutschen Torhüter Jens Lehmann bat, den verhängten Elfmeter nicht zu schießen. Es ist der Gipfel der Demütigung, wenn in einem Wettstreit von David gegen Goliath auch der Torwart der überlegenen Mannschaft in die Torschützenliste will. Jens Lehmann hat das damals verstanden und den Strafstoß nicht geschossen.

Robert Lewandowski ist ein großartiger Fußballspieler, er ist Torschützenkönig und Fußballer des Jahres in Deutschland. Und noch hat er Aktien im Wettbewerb um die Wahl zum Weltfußballer des Jahres. Wenn Anstand und Respekt bei dieser Wahl eine Rolle spielen, dann sollte er sich am Freitag um seine Chance gebracht haben. Und das wäre gut so.