Warum Jogi Löw auf diese Weise seinen Job verlieren wird

Oranje-Debakel : Kommentar: Warum Jogi Löw auf diese Weise seinen Job verlieren wird

Vom mutigen Neuanfang ist Joachim Löw nach der Pleite gegen die Niederlande so weit entfernt, wie er es vom angepeilten WM-Titel war. Er wirkt dabei wie ein zweitklassiger Zimmermann. Ein Kommentar.

Wer immer der Meinung war, der deutsche Weltmeister-Trainer Joachim Löw könne nach der verkorksten Fußball-Weltmeisterschaft in Russland der Initiator eines Neubeginns sein, hat am Samstag beim und nach dem 0:3 gegen die Niederlande in Amsterdam alle seine Argumente für diese These liegen lassen müssen. Das folgende Spiel am Dienstagabend bei Weltmeister Frankreich, dessen Klasse die der Deutschen inzwischen in Spitze wie Breite deutlich überflügelt, wird zum ersten und vielleicht auch letzten Schicksalsspiel einer deutschen Fußball-Generation, die ihre Zukunft offenbar schon hinter sich hat. Und niemand ist da, der ihnen den Spiegel vorhält, in dem sie dieses Bild erkennen könnten.

Löw wirkt dabei wie ein zweitklassiger Zimmermann, der einen nicht sonderlich schönen und klapprigen Schrank aus den 1970er Jahren mit Nägeln und Alleskleber zusammenhalten will, anstatt aus jungem Holz etwas Neues zu erschaffen.

Vom mutigen Neuanfang, den so viele Nationen wie Frankreich, England oder jetzt die Niederlande nach Tiefschlägen mit erkennbaren Fehlmustern begonnen haben, ist Löw so weit entfernt, wie er es vor dem angepeilten WM-Titel war. Statt sich an der erfolgreichen Mannschaft des Confederations Cup 2017 zu orientieren und sich damit auch selbst Luft zu verschaffen, weil Mut immer auch Geduld des Umfelds mit sich bringt, glaubt Löw an die Bande mit einer Generation von Spielern, die ihn in diesem Leben nicht mehr belohnen werden.

Ein Kommentar von Olaf Kupfer. Foto: Sergej Lepke

Frankreich könnte eine Wegmarke werden, weil die oft unverstandene Nations League einen unverkennbar gewaltigen Vorteil hat: Sie deckt ob des hohen Niveaus und ihres Wettkampfcharakters jeden Schwachpunkt der Beteiligten gnadenlos auf.

Wenn Löw das jetzt nicht erkennt, dann wird sich der DFB dieses Themas annehmen: Eine dahin siechende Nationalmannschaft mit einem trotzigen Trainer kann sich der größte Fußballverband der Welt nicht leisten.

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