Warum eine Impfpflicht gegen Masern richtig ist

Meinung : Warum eine Impfpflicht gegen Masern richtig ist

Zwar handelt die übergroße Mehrzahl der Eltern verantwortungsbewusst. Aber es gibt eben auch die Impf-Verweigerer, bei denen auch gut zureden nicht hilft. Also kann die Konsequenz nur eine Impfpflicht sein.

Das Beispiel könnte Schule machen. Nach dem denkwürdigen Beschluss des Brandenburger Landtags zur Einführung einer Masern-Impfpflicht in Kitas denkt jetzt  Nordrhein-Westfalen über entsprechende Maßnahmen nach. Aber vielleicht kommt  auch eine bundesweite Lösung zustande: Familienministerin Franziska Giffey von der SPD ist genauso dafür wie Gesundheitsressortchef  Jens Spahn von der CDU. Da geht doch was in der großen Koalition.

Seit Jahren treibt das Thema die Nation um. Schon 2013 hatte der damalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr eine Masern-Impfpflicht angeregt. Zwei Jahre später fand zumindest eine Pflicht zur Impfberatung für alle Kita-Kinder Eingang ins Gesetzbuch. Aber wirklich befriedigend ist das noch immer nicht. Zwar handelt die übergroße Mehrzahl der Eltern  verantwortungsbewusst. Aber es gibt eben auch die Impf-Verweigerer, bei denen auch gut zureden nicht hilft. Also kann die Konsequenz nur eine Impfpflicht sein. Es wäre eine Pflicht für sehr wenige. Die meisten betrachten sie ja ohnehin als eine solche. Ja, eine Impfpflicht birgt rechtliche Tücken. 

Und ja, es gibt auch Gegenargumente. Skeptiker führen vor allem die Impfstoffe ins Feld, die angeblich mindestens so gefährlich seien wie die Masern selbst. Im Internet kursieren dazu  abschreckende Beispiele. Doch sie stehen für ein äußerst seltenes Phänomen. Untersuchungen zufolge kommen auf 16 Millionen Impfstoffdosen gerade einmal sieben schwerste Komplikationen. Umgekehrt jedoch stirbt in den Industrie-Staaten einer von 1000 Masern-Infizierten. 

Ein Kommentar von Stefan Vetter. Foto: k r o h n f o t o . d e

Die Gefahr, durch Impfverweigerung zu Schaden zu kommen, ist also sehr viel größer als die Impfung zu ertragen. Und dann gibt es noch jene, die sich schlicht ihrer Freiheit beraubt fühlen, falls man ihnen das Impfen zur Pflicht macht. Konsequenterweise dürften solche Leute dann allerdings auch kein Flugzeug mehr besteigen, denn davor werden sie gezwungen, sich abtasten und ihr Gepäck kontrollieren zu lassen.

Es muss jedenfalls zu denken geben, dass  die Weltgesundheitsorganisation WHO die mangelnde Impfbereitschaft gerade in westlichen Wohlstandsländern als eine der größten globalen Bedrohungen eingestuft hat – vergleichbar  mit dem Ebola-Erreger oder  antibiotikaresistenten Keimen. So betrachtet wäre selbst eine Impfpflicht für Kita-Kinder lückenhaft, denn Ansteckungsgefahr droht zum Beispiel auch  auf öffentlichen Spielplätzen. Eine solche Pflicht kann aber die Einsicht befördern, auch an Gruppen wie chronisch Kranke oder ganz junge Säuglinge zu denken, die nicht geimpft werden können. Ihr Masern-Schutz ist vom maximalem Selbstschutz der anderen abhängig.

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