1. Meinung

Viele Ideen, viele Fragen: Wie verändert sich der Profifußball?

Viele Ideen, viele Fragen : Wie verändert sich der Profifußball?

Der deutsche Profifußball marschiert derzeit als modernes Gladiatorentum durch die Pandemie und unterhält einen Teil der Lockdown-Gesellschaft. Aber wie soll es nachher weitergehen?

Der deutsche Profifußball marschiert derzeit als modernes Gladiatorentum durch die Pandemie und unterhält jenen Teil einer frustrierten Lockdown-Gesellschaft, der sich davon unterhalten lassen will. Während Schul- und Breitensport lahmliegen, beklagt sich schon mancher Profifußballer über ausufernde Belastung im Drei-Tages-Rhythmus. Klingt verrückt, ist es auch. Und deshalb weiß man bei der Deutschen Fußball Liga, dass der Profifußball unter gesellschaftlichen Aspekten mehr sein sollte als eine erzkapitalistische Blase, in der junge Männer dem Ball und dem Selbsterhalt der Branche mit Scheuklappen hinterherrennen, immer in der aufgegebenen Sorge, den oft zügellosen Apparat am Laufen zu halten.

Ob das gelungen ist, bleibt völlig offen. Die wohlklingenden Ergebnisse mit einer Vision für 2030 sind ehrenwert, aber erst wertvoll, wenn sie in den Vereins-GmbHs umgesetzt werden: mehr Nachhaltigkeit, mehr Frauen in Führungen, verantwortungsvolle Finanzstrukturen, Nachwuchs- und Frauenfußballförderung, mehr Fandialog, mehr konzertiertere Wohltätigkeit. Interessant wird es, wenn es um Arbeitsrecht geht, das man mit der Politik europäisch angehen müsste – und offenbar will: Deckelung von Spielergehältern und Beraterverträgen, Financial Fairplay in Deutschland und Europa.

Das alles steht jetzt immerhin als Mahnung im Raum. Ob es eher schnell denn langsam und überhaupt umgesetzt wird in Klubs, die derzeit im Spannungsfeld ihrer aufgeblasenen Kostenapparate und Corona-Bedingungen um ihre Existenz kämpfen, wird dann eben auch mess- und überprüfbar sein. Die andere Befürchtung wäre, dass die Absichtserklärungen einer Taskforce einen langwierigen Prozess initiieren, der hier und dort geschliffen oder auch fallen gelassen wird, gerade so, wie groß denn die Entfremdung der Fans nach der Corona-Pandemie am Ende ausfällt. Dann hätte der Fußball mehr verloren als gewonnen. Aber: Man muss ja nicht immer vom Schlimmsten ausgehen.