Meinung: Vertrauen im Kampf gegen Antisemitismus verspielt

Meinung : Vertrauen im Kampf gegen Antisemitismus verspielt

Eine gemeinsame Reise der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein nach Israel hätte zum 70. Jahrestag der Gründung des Staates Israels ein wichtiges Zeichen der Gemeinsamkeit im Kampf gegen den Antisemitismus sein können.

Stattdessen macht nun eine sogenannte Gottesdienst-Arbeitshilfe (siehe Datei zum herunterladen), die von Geschichtsklitterung und einseitigen Schuldzuweisungen gegen Israel im Propaganda-Stil der Fatah und der Hamas nur so strotzt, mühsam aufgebautes Vertrauen zunichte.

In diesem Text wird der Staat Israel nicht etwa unmittelbar nach seiner Gründung 1948 von allen arabischen Nachbarn mit dem Ziel der Vernichtung überfallen, die arabische Bevölkerung von den Angreifern zum Verlassen Israels genötigt und rund 800 000 Juden aus den arabischen Ländern vertrieben. Nein, stattdessen heißt es: „Die von den Vereinten Nationen beschlossene Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat hat zu einem grausamen Krieg geführt.“ Ach so!

In diesem Text wird Israel von seiner militärischen Überlegenheit zu Brutalität verführt, und „die Welt schaut dem Unrecht tatenlos zu“. Damit sind nicht etwa die allein 1339 israelischen Toten durch palästinensischen Terror seit dem Jahr 2000 oder der Missbrauch der Gaza-Bevölkerung als Schutzschild für die Hamas gemeint. Unter dem Additionsstrich dieser böswilligen Delegitimierungsversuche Israels soll sich der Nutzer der angeblichen „Gottesdienst-Arbeitshilfe“ merken: „Was für Juden ein Grund zum Feiern ist, das ist für andere ein Grund zur Trauer. Den einen hat die Staatsgründung Schutz, Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit gebracht, den anderen Vertreibung, Zerstörung, Zwang und Unrecht.“

Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland hat am Dienstag die Absage der gemeinsamen Israel-Reise durch den Landesverband der jüdischen Gemeinden von Nordrhein bedauert. Sie hätte stattdessen besser die Entgleisungen eines einzelnen Kirchenrats bedauert und sich nicht auf die Erklärung von Präses Manfred Rekowski zurückgezogen, dort, wo sachliche Kritik an der „Arbeitshilfe“ geübt werde, werde man sich selbstverständlich damit „beschäftigen“.

Wenn so der Kampf der Evangelischen Kirche im Rheinland gegen Antisemitismus aussieht, dann taugt er leider nichts.

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