Meinung : Pulverfass Venezuela

Es sollte der große Schlag gegen Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro werden. Doch der Versuch seines Kontrahenten Juan Guaidó, dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente aus Kolumbien und Brasilien über die Grenze ins Land zu bringen, endete an einer Wand aus Panzern, Soldaten und Tränengas.

Mindestens drei Menschen wurden getötet, Hunderte verletzt. Der Machtkampf geht weiter, ein Bürgerkrieg wird immer wahrscheinlicher. Venezuela ist ein Pulverfass.

In dem Land mit den größten Ölreserven der Welt leben heute mehr als 80 Prozent der Menschen in Armut, viele hungern, die staatliche Gesundheitsversorgung ist zusammengebrochen. Venezuela hängt seit jeher am Öl. Jahrelang hatte Maduros Amtsvorgänger und Mentor, Hugo Chávez, mit den Öleinnahmen Sozialprogramme finanziert. Doch nach Chávez’ Tod 2013 rutschte der Preis dramatisch ab. In kurzer Zeit stiegen Staatsverschuldung und Arbeitslosigkeit auf Rekordwerte. Korruption und unfähige Manager von Maduros Gnaden beherrschen die Wirtschaft. Von den Petrodollars profitiert nur noch eine Elite aus Politikern und Offizieren. Hunderttausende haben das Land schon verlassen, unzählige Regimegegner sitzen im Gefängnis.

Trotz des Misserfolgs am Wochenende gilt Guaidó weiter als Hoffnungsträger des Volkes. Gegen Maduro und seine Militärs hat der 35-Jährige aber keine Chance. Er ist auf das Eingreifen ausländischer Mächte angewiesen. Maduro lässt trotz der Appelle aus den USA und Europa keine Hilfsgüter ins Land, von Neuwahlen will der autoritäre Staatschef  nichts wissen. Wagt US-Präsident Donald Trump den militärischen Angriff? China und Russland stehen fest an der Seite des Maduro-Regimes und warnen vor einer Einmischung. Eine direkte Konfrontation der Atommächte droht. Noch scheint eine diplomatische Lösung des Konflikts möglich. Aber viel Zeit bleibt nicht mehr.

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