1. Meinung

Trumps Strafzoll-Drohung: Der Egomane gefährdet uns alle

Trump droht China mit Strafzöllen : Der Egomane lässt wieder die Muskeln spielen - und gefährdet alle

Mal wieder eine Kehrtwende aus dem Nichts: Trump hat China gedroht, obwohl er vor wenigen Tagen noch von einem sagenhaften Pakt gesprochen hatte. Wenn der Handelskrieg eskaliert, trifft es alle. Ein Kommentar.

Bis vor wenigen Tagen machte Donald Trump in Sachen China noch voll auf Optimismus. Ein „sagenhafter“ Handelspakt stehe kurz vor dem Abschluss, tönte der US-Präsident in der für ihn so typischen Lautstärke. Dann die Kehrtwende per Twitter. Die Verhandlungen liefen „zu langsam“. Trump droht mit höheren Strafzöllen. Der Egomane im Weißen Haus lässt wieder die Muskeln spielen. Und wie so oft wussten seine Berater nichts davon. Entsprechend schwer fällt es ihnen, die neue Lage zu erklären.

Zu den Leitplanken der Trump’schen Wirtschaftspolitik gehört die Behauptung, die USA würden im Welthandel benachteiligt. Der Präsident verweist dann gerne auf Staaten wie China, Südkorea oder auch Deutschland, weil sie mehr Waren in den USA verkaufen, als sie von dort importieren. Ökonomen halten diese Sicht der Dinge für blanken Unsinn, weil es nichts mit Fairness zu tun hat, was US-Verbraucher kaufen oder nicht. In der Regel sind die ausländischen Produkte einfach besser oder billiger. Trotzdem setzt Trump auf Strafzölle. Aber anders als vom Präsidenten behauptet, zahlen nicht die ausländischen Unternehmen die Zeche, sondern in erster Linie die US-Verbraucher durch höhere Preise.

Wenn die USA ökonomisch und militärisch unbedeutend wären, könnte sich der Rest der Welt einfach mit einem Kopfschütteln von Trump abwenden. Aber so liegen die Dinge nicht. Es handelt sich um die letzte verbliebene Weltmacht, die sich mit China – dem kommenden zweiten Machtzentrum – anlegt. Wenn der Handelskrieg zwischen beiden eskaliert, trifft es alle. Ein Aufschaukeln des Konflikts mit immer höheren Zöllen hat das Potenzial, eine weltweite Rezession wie die Finanzkrise vor gut zehn Jahren auszulösen. Noch halten die Investoren das für unwahrscheinlich, entsprechend fielen die Verluste an den Börsen relativ gering aus. Aber das kann sich schnell ändern.