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Trump bahnt den Weg in einen Handelskrieg

Trump bahnt den Weg in einen Handelskrieg

Donald Trump hat ganz miese Tage hinter sich. Das Handelsbilanzdefizit der USA ist im ersten Jahr seiner Amtszeit um mehr als zwölf Prozent auf 566 Milliarden US-Dollar gestiegen. Eine Demütigung für den America-first-Präsidenten.

Jared Kushner, sein Berater und Schwiegersohn, wird öffentlich degradiert. Hope Hicks, eine der engsten Vertrauten im Weißen Haus, kehrt Trump den Rücken. Das war zu viel für den Egomanen. Ohne jede Absprache mit Stabschef John Kelly und Außenminister Rex Tillerson, die die Fahne der Vernunft in dieser Chaos-Regierung hochhalten, haut Trump Strafzölle für Stahl und Aluminium raus. Und legt bei Twitter nach: Handelskriege seien gut und leicht zu gewinnen. Unfassbar.

China und Deutschland haben maßgeblichen Anteil daran, dass die USA mehr Güter im Ausland kaufen als dorthin verkaufen. Falsch ist aber Trumps Behauptung, dass die Amerikaner beim Handel über den Tisch gezogen werden. Niemand zwingt US-Bürger, ausländische Produkte den heimischen vorzuziehen. Deutsche Maschinen, Anlagen und Autos sind in den USA gefragt, weil die Qualität stimmt. Trotz des meist hohen Preises sind die Güter wettbewerbsfähig. Denn Betrügereien wie beim Abgas-Skandal sind zum Glück die Ausnahme und nicht die Regel. Außerdem: Deutsche Exportgüter enthalten einen stetig wachsenden Anteil an importierten Vorleistungen. Die Herkunftsbezeichnung verschleiert, dass Industrieprodukte heute immer einen internationalen Ursprung haben.

Das alles will Trump nicht hören. Er möchte die Ausländer mit Strafzöllen vom Markt verdrängen. Vergeltungsaktionen anderer Länder drohen. Was jetzt mit Stahl und Aluminium beginnt, kann morgen viele andere Branchen betreffen. Der US-Präsident bahnt den Weg zu einem Handelskrieg, riskiert eine Spirale des Protektionismus. Dass er damit internationales Handelsrecht bricht, interessiert den mächtigsten Mann dieser Welt vermutlich überhaupt nicht. Vielleicht interessiert es aber seine Wähler. Denn Strafzölle treffen nicht nur Luxusautos, sondern auch Maschinen, die in den USA gebraucht werden. Das führt auch bei amerikanischen Firmen zu höheren Herstellungskosten und damit steigenden Preisen für US-Konsumenten. Die Betriebe verlieren ihre Wettbewerbsfähigkeit, die Jobs der Mitarbeiter sind nicht mehr sicher. Freihandel bedeutet Frieden. Trumps Strafzölle machen die Welt unsicherer.