Tödliche Lkw-Unfälle - Verantwortung verpflichtet

Abbiegeassistent: Tödliche Lkw-Unfälle - Verantwortung verpflichtet

Wenn Lkw-Fahrer im Straßenverkehr unaufmerksam sind, hat das oft schlimme Folgen. Dabei haben die Fahrer einen sehr stressigen Job. Ihnen könnte geholfen werden, doch die Regierung lässt sich Zeit.

Das gesellschaftliche Bild vom „Trucker“ leidet schon seit Langem. Schwere Unfälle an Stauenden, die tödlichen Abbiegeunfälle – und die kleinen bis mittelgroßen Ärgernisse auf den Autobahnen von Elefantenrennen im Berufsverkehr bis zu verstopften Rasthöfen. Für viele Menschen – insbesondere für die sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmer – sind Lastwagen ein Angstfaktor. Eine Statistik wie die für das bisherige Jahr 2018 mit einer Rekordzahl getöteter Menschen bei Abbiegeunfällen hilft da kaum. Wohl aber die Tatsache, dass viele Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Verkehr hat viel mit Verantwortung zu tun. Für jeden Einzelnen – denn jeder Einzelne kann dort über Leben oder Tod entscheiden durch ein verantwortliches oder unverantwortliches Verhalten. Umso mehr Verantwortung aber tragen diejenigen, die mit der Teilnahme am Verkehr Geld verdienen. Und zwar nicht nur für die Menschen, die auf der Straße unterwegs sind und vor Fehlern der Lkw-Fahrer beim Abbiegen geschützt werden müssen, sondern auch für ihre eigenen Mitarbeiter, die einen stressigen Job in einem immer stressigeren Verkehr erledigen und vor den Konsequenzen eines jederzeit möglichen Fehlers ebenfalls geschützt werden können.

Die Mühlen auf EU-Ebene mahlen im Fall des Abbiegeassistenten deutlich zu langsam: Die Technik ist da, jetzt sollte sie auch in die Fahrzeuge. Zumal einige tausend Euro Mehrkosten verschmerzbar sein dürften. Umso besser, dass viele große Unternehmen nicht auf ein Gesetz warten, sondern handeln und nachrüsten oder durch ihre Kaufentscheidung – Neufahrzeuge nur mit Assistent – Druck auf die Hersteller machen. Für Kommunen sollte dies ohnehin selbstverständlich sein. Nicht nur ein Gesetz kann eine Pflicht darstellen. Auch Verantwortungsgefühl verpflichtet.

Juliane Kinast Foto: Judith Michaelis
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