Streit um Pläne für ein bundesweites Zentralabitur

Schulpolitik : Streit um Pläne für ein bundesweites Zentralabitur

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will eine stärkere Vergleichbarkeit des Abiturs in den einzelnen Bundesländern.

In der Bildungspolitik ist ein Streit um ein bundesweites Zentralabitur entbrannt. Die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek unterstützt die Forderung der baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (beide CDU) danach. „Vergleichbarkeit von Abschlüssen ist wichtig. Es ist auch eine Frage der Gerechtigkeit“, sagte Karliczek. „Die Vorstellungen meiner Kollegin Eisenmann gehen in die richtige Richtung.“

Eisenmann will in Deutschland „innerhalb von fünf bis zehn Jahren ein zentrales Abitur und auch für andere Schulabschlüsse zentrale Prüfungen“, dazu „einheitliche Regeln dafür, welche Fächer ins Abitur eingebracht werden“ und „vergleichbare Lehrpläne“. Das zu erarbeiten sei Aufgabe „selbstständigen Länder“. Karliczek pocht stattdessen auf die Einrichtung eines Nationalen Bildungsrats mit Experten aus Bund und Ländern für Empfehlungen. So hatten es CDU und SPD im Koalitionsvertrag vorgesehen. Bislang wirbt Karliczek dafür bei den Ländern vergeblich.

Seit 2007 gibt es in allen Bundesländern außer Rheinland-Pfalz das landesweite Zentralabitur. Zusätzlich gibt es in Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch seit 2017 einen bundesweiten Pool an Abitur-Aufgaben, aus dem sich die Länder bedienen können – aber nicht müssen. Das hat bei dem umstrittenen Mathe-Abitur dazu geführt, dass Schüler in Bayern über die Textlastigkeit der Aufgaben gestolpert waren, weil sie darauf wohl so nicht vorbereitet waren. „Da wird jetzt nachgesteuert“, sagt Sabine Mistler, NRW-Vorsitzende des Philologenverbandes.

„Abitur als höchster Abschluss sollte für sich sprechen“

NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) sieht den geplanten Nationalen Bildungsrat kritisch. „Bisher gibt es noch keine greifbaren Ergebnisse“, sagte Gebauer dieser Zeitung. „Wir werden in NRW die Debatte kritisch-konstruktiv begleiten und dabei stets die Effektivität beim Erreichen der Ziele im Blick behalten.“ Gebauer will ebenfalls mehr Vergleichbarkeit: „Das Abitur als höchster Schulabschluss sollte für sich sprechen und nicht abhängig nach Bundesland schwerer oder leichter zu erreichen sein.“ Das will sie mit dem „gemeinsamen Aufgabenpool“ schaffen. „Dieser Weg ist noch lange nicht abgeschlossen, wir wollen daran weiterarbeiten.“ Stefan Behlau vom Verband Bildung und Erziehung in NRW hält ein Zentralabitur in fünf Jahren „aufgrund der langen Geschichte des Bildungsföderalismus“ für unrealistisch. Wie Mistler, die „Traditionen und Spezifika der Länder dem Bundes-Abitur entgegenstehen sieht, findet er Vergleichbarkeit nicht allein durch Prüfungen herstellbar: „Das Abitur ist mehr als die Zusammenstellung bundeseinheitlicher Prüfungsaufgaben. Das Erlangen der Studierfähigkeit ist Ergebnis eines Prozesses.“

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