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Stopp von Mietzahlungen: Aufruf zum Boykott - Die Macht der Konsumenten

Meinung zum Stopp von Mietzahlungen : Aufruf zum Boykott: Die Macht der Konsumenten

Um ihre Kosten bei fehlenden Einnahmen zu drücken, setzen große Unternehmen wie Adidas, H&M oder Deichmann Mietzahlungen für ihre Filialen aus. In der aktuellen Corona-Krise ist das nicht sonderlich geschickt.

Wo über Gesetzesänderungen Fässer aufgemacht werden, greifen große Unternehmen hinein. Das ist wenig überraschend. Aber in der aktuellen Krise eben doch nicht sonderlich geschickt, wenn es um die Außenwirkung geht – es sei denn, die finanzielle Liquidität ist tatsächlich akut bedroht. Davon muss man aber nicht ausgehen.

Das neue Gesetz, das zuerst private Mieter vor Kündigung schützen sollte, die aufgrund der Coronakrise kurzfristig zahlungsunfähig zu sein drohen, ist eines geworden, mit denen vor allem die großen Unternehmen versuchen, den wegen ihrer Geschäftsschließungen entstandenen Kostendruck an ihre Vermieter weiterzugeben. Motto: Wenn uns die Geschäftsgrundlage entzogen ist, dann darf das nicht allein an uns als Mieter hängen bleiben, auch die großen Immobilienkonzerne müssen davon etwas tragen, da sie nicht nur für Raum, sondern auch Mietzweck kassieren. Letztlich wird diese Maßnahme Auftakt von Verhandlungen zwischen Mieter und Vermieter sein: Die Unternehmen wollen Miete mindestens mindern, die Vermieter müssen sich im Sinne eines Fortbestands der Geschäftsbeziehungen darauf einlassen – oder nicht. So ist das im Kapitalismus.

Aber: Die Außenwirkung ist fatal. Unternehmen wie Adidas oder H&M machen enorme Umsätze und laden über ihre Marketingabteilungen in Zeiten der Krise ihre Marken emotional auf, spielen Botschaften wie Gemeinschaft und Rücksicht aus – und sind dann doch die ersten, die eine Chance ergreifen, die anders gedacht und von der Bundesregierung freilich auch schlecht gemacht war.

Das sind kapitalistische Ausprägungen, die auf eine sensibilisierte Kundschaft treffen. Der Aufruf zum Boykott solcher Unternehmen ist omipräsent in den Sozialen Netzwerken und dürfte nachwirken. Die Macht des Konsumenten sollten Unternehmen in der Wissensgesellschaft nicht unterschätzen.

Ein Kommentar von Olaf Kupfer. Foto: ja/Sergej Lepke