"Shutdown" vorläufig beendet

Meinung : Trump, der Verlierer

Donald Trump hält sich für den besten Verhandler, den die Welt je gesehen hat. Der geborene Dealmaker sozusagen. Was für ein Blödsinn das ist, haben die vergangenen Wochen gezeigt. Im Machtkampf mit Nancy Pelosi gibt es einen klaren Verlierer – und der heißt Trump.

Offensichtlich hat der US-Präsident seine 78-jährige Gegenspielerin unterschätzt. Der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses ist es gelungen, die Reihen der Demokraten fest geschlossen zu halten. Im zähen Ringen um den „Shutdown“ blieben alle Drohungen des Präsidenten ohne Wirkung: Die Demokraten gewährten dem selbst ernannten Macher im Weißen Haus nicht einen Cent für die Grenzmauer zu Mexiko.

Am Ende war der Druck für Trump zu groß. Sinkende Umfragewerte, Bilder von Staatsbediensteten, die für Lebensmittelspenden anstehen, lange Schlangen an Flughäfen, weil sich dort Mitarbeiter scharenweise krank meldeten, drohende Einbußen beim Wirtschaftswachstum durch den „Shutdown“ – und eine klare Mehrheit der Amerikaner gibt dem Präsidenten die Schuld an diesem Chaos. Trump hat sich maximal verzockt.

Der schwere taktische Fehler des Präsidenten besteht darin, die Grenzmauer zum Maß aller Dinge gemacht zu haben. Und es gleichzeitig zu versäumen, die Finanzierung des Projektes zu sichern, solange seine Republikaner noch die Mehrheit in beiden Kammern des Parlamentes hatten. Seit den Zwischenwahlen im November kontrollieren aber die Demokraten das Repräsentantenhaus. Und diese Macht nutzen sie. Selbst wenn es ab dem 15. Februar erneut zum „Shutdown“ kommt, wird Trump die 5,7 Milliarden Dollar für seine Mauer nicht bekommen. Diesen Kampf gegen Pelosi kann er nicht gewinnen. Sein großes Wahlversprechen – den Bau der Grenzmauer – wird Trump nicht halten können. Nicht wenige seiner Anhänger sehen darin einen Verrat. Und die Chancen auf eine Wiederwahl sinken.

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