Risikospiele - Warum die Fußball-Liga für Polizeieinsätze zahlen sollte

Risikospiele : Warum die Fußball-Liga für Polizeieinsätze zahlen sollte

Wer kommt dafür auf, wenn bei Hochsicherheitsspielen im Fußball mehr Polizisten benötigt werden als sonst? Darüber streiten sich die Deutsche Fußball Liga und das Land Bremen schon seit vier Jahren.

Wenn Ulrich Mäurer am Dienstag zum Bundesverwaltungsgericht nach Leipzig fährt, ist der Mann voller Zuversicht. Zu Recht. Denn Bremens Innensenator geht mit guten Argumenten in die nächste Runde des Rechtsstreits mit der Deutschen Fußball Liga (DFL). Dann steht die mündliche Verhandlung an, am Freitag die Entscheidung. Aber der Endpunkt ist das wohl nicht, weil die Sache letztlich vor dem Bundesverfassungsgericht landen dürfte.

Das Land Bremen und die DFL liegen im Clinch, seit der Stadtstaat der Liga einen Gebührenbescheid über knapp 426 000 Euro für das Erstligaspiel zwischen Bremen und dem HSV im April 2015 zustellte. Dies seien die Mehrkosten gewesen, die für den Polizeieinsatz im Vergleich zu einem herkömmlichen Bundesligaspiel angefallen seien. Nord-Derby eben, ein Hochrisikospiel. Die DFL klagte gegen den Bescheid vor dem Verwaltungsgericht – zunächst mit Erfolg. Das Oberverwaltungsgericht Bremen entschied anders und setzte den Bescheid wieder in Kraft. Erneut Revision. Die Fußball-Liga hält den Bescheid aus dem Bremer Rathaus für verfassungswidrig. Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit sei eine staatliche Kernaufgabe, deren Erfüllung aus Steuermitteln zu erfolgen habe. Sonderabgaben oder Gebühren dürften nicht erhoben werden. Die Fußball Liga und ihre Vereine seien nur für die Sicherheit in den Stadien zuständig. Basta.

Ein Kommentar von Rolf Eckers. Foto: Sergej Lepke

Das Beharren auf dieser Rechtsposition zeigt, wie sehr sich der Profi-Fußball von seinem Publikum entfernt hat. Es geht nicht um die Grundkosten für Polizeieinsätze, sondern um den Mehraufwand bei Spielen mit großem Krawall-Potential. Bei einer bundesweiten Beteiligung der DFL an diesen Einsatzkosten hätte die Liga pro Saison geschätzt einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag zu zahlen. In Relation zum Umsatz von inzwischen 4,4 Milliarden Euro eine bescheidene Summe. Trotzdem wäre es ein starkes Signal des Miteinanders in dieser Gesellschaft, wenn die DFL dem Steuerzahler diese Kosten ersparen würde.

Aber dieses Signal wird nicht kommen. Die Fußball Liga will nicht einsehen, dass Kosten, die das übliche Maß einer Show-Veranstaltung weit übersteigen, dem Veranstalter in Rechnung gestellt werden dürfen – denn der wirtschaftliche Erfolg solcher Events beruht ganz wesentlich darauf, dass auch außerhalb der Arenen die Sicherheit gewährleistet ist. Verfassungsrechtler haben keine Bedenken, vom Veranstalter in diesen besonderen Fällen Gebühren zu verlangen. Viel spricht dafür, dass die Richter in Leipzig dieser Meinung folgen und der maßlosen und arroganten Anspruchshaltung der Fußball Liga Grenzen setzen.

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