Rechtsextremer Gewalt in Wort und Tat: Beschämend lange Liste

Meinung : Beschämend lange Liste von rechtsextremer Gewalt in Wort und Tat

Die rechtsextremistische Gewaltbereitschaft entfesselt sich zusehends auf dem Nährboden einer dumpfen braunen Gesinnung, deren weite Verbreitung zu viele zu lange nicht wahrhaben wollten.

Man weiß gar nicht mehr, wo man mit der Auflistung beginnen soll: das Messer­attentat auf die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker 2015, der Messerangriff auf den Altenaer Bürgermeister Andreas Hollstein 2017, der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni dieses Jahres, dazu die Drohungen, die 2015 den Bürgermeister von Tröglitz zermürbten, und die aktuellen Morddrohungen in Serie: Nein, das sind schon lange keine Einzelfälle mehr. Die rechtsextremistische Gewaltbereitschaft entfesselt sich zusehends auf dem Nährboden einer dumpfen braunen Gesinnung, deren weite Verbreitung zu viele zu lange nicht wahrhaben wollten.

Die Ziele der Gewaltandrohungen und Gewalttaten mögen variieren: Mal sind es Menschen mit Migrationsgeschichte, mal Juden, mal demokratische Politiker. Aber dass damit in jedem einzelnen Fall der Kern unseres freiheitlichen Zusammenlebens angegriffen ist, also am Ende wir alle, das muss inzwischen auch dem Begriffs­stutzigsten klargeworden sein.

Ein Kommentar von Ekkehard Rüger. Foto: ja/Sergej Lepke

Die rechtsextreme Gewalt in Wort und Tat, so beschämend lang die Liste wieder geworden ist, darf nicht zur Gewohnheit werden. Sonst gewöhnt sich die demokratische Gesellschaft an ihren eigenen Untergang. Auch wenn im Schatten der Morde und Mordanschläge manche Drohung auf das Konto aufmerksamkeitsheischender Trittbrettfahrer gehen mag: Die Zeit, diese Einschüchterungsversuche nicht ernst zu nehmen, ist endgültig vorbei.

Vieles ist dabei Aufgabe der Ermittlungsbehörden, aber längst nicht alles. Jeder attackierte Ausländer, jeder bedrängte Jude unter uns hat die spürbare Solidarität der Gesellschaft verdient – und jeder Politiker auch. Und sie alle haben es verdient, dass diese Gesellschaft immer wieder selbstkritisch überprüft, wo sich in ihr Reden und Handeln eine Verachtung einschleicht, die ihrer nicht würdig ist.

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