Protzerei - Wenn der Selbstwert über das Auto definiert wird

Meinung : Protzerei - Wenn der Selbstwert über das Auto definiert wird

Die Verkehrsminister denken darüber nach, das sogenannte „Auto-Posing“, das Protzen mit oftmals hochgetunten Wagen, stärker zu sanktionieren. Die große Mehrheit des Publikums ist einfach nur genervt vom Gehabe derjenigen, die ihren Selbstwert aus solcherart Protzerei ziehen.

Haben Sie als Kind „Autoquartett“ gespielt? Und sich gefreut, wenn Sie einen Stich bekamen, weil das Auto auf Ihrer Spielkarte mehr PS oder eine höhere Geschwindigkeit hatte als das des Mitspielers? Mehr Zylinder oder einen höheren Preis? Es gibt Menschen, die erhalten sich diese Faszination über die Pubertät hinaus. Übertreiben die weit verbreitete Leidenschaft für schnelle Autos ganz besonders. Die „Autoposer“ sitzen in ihrem aufgemotzten Auto, lassen an  belebten Plätzen den Motor aufheulen, die Auspuffrohre knallen. Sie beschleunigen mit quietschenden Reifen. Und aus dem Inneren der Lärmmaschine wummern die Bässe der Car-Entertainment-Anlage.

So wie der Exhibitionist, der sich am eigenen Tun und an der Reaktion des unfreiwilligen Publikums ergötzt, erliegen auch die Vertreter dieser ganz speziellen Form des Exhibitionismus einem Irrglauben. Dem Irrglauben, dass sie von den Zeugen im Café an der Düsseldorfer Kö oder anderswo bewundert würden. Zwar gibt es die kleine Gemeinde der „Carspotter“, die exotische Autos fotografieren und die Bilder wie Jagdtrophäen im Internet teilen. Und damit den Irrglauben der Autoposer an ihre ganz spezielle Potenz bekräftigen. Doch die große Mehrheit des Publikums ist einfach nur genervt vom Gehabe derjenigen, die ihren Selbstwert aus solcherart Protzerei ziehen.

Mehr als das. Es geht ja nicht nur um eine besonders  starke Lärmbelästigung, sondern manchmal auch um eine Gefährdung völlig Unbeteiligter. Wenn diese als Verkehrsteilnehmer, insbesondere als Fußgänger oder Radfahrer, zur falschen Zeit am falschen Ort sind und den Weg eines beschleunigenden und auch mal außer Kontrolle geratenen Luxusschlittens kreuzen.

Ein Kommentar von Peter Kurz. Foto: Sergej Lepke

Das bisherige Instrumentarium, mit dem Behörden solchem Gehabe begegnen, reicht nicht aus. Zum Totlachen dürfte etwa für den lärmenden Ferrarifahrer der § 30 der Straßenverkehrsordnung sein, der 20 Euro Bußgeld androht, wenn man „ohne Notwendigkeit innerhalb einer geschlossenen Ortschaft eine Strecke mehrmals abfährt und dadurch andere belästigt“. Hier einen dreistelligen Bußgeldbedtrag anzudrohen, wie es jetzt überlegt wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Doch beeindruckender dürften die in immer mehr Städten stattfindenden Kontrollen sein, die auch schon mal zur Beschlagnahme des Autos wegen illegaler Umbauten führen.  Ein Trost ist es da immerhin, dass sich das Problem demnächst erledigen wird. Welch eine Horrorvorstellung muss den  Autoposern der Gedanke sein, dass sich leise schnurrende Elektroautos flächendeckend durchsetzen werden.