Postversand in der Kritik - Dann lieber eine E-Mail

Meinung : Postversand in der Kritik - Dann lieber eine E-Mail

Diesen Vorwurf muss sich die Post gefallen lassen: Besonders zuverlässig ist sie vor allem dann, wenn es darum geht, an der Portoschraube zu drehen. Bald wohl auf 80 Cent pro Standardbrief anstatt 70. Doch bei der Qualität der Zustellung hapert es gewaltig.

Jahr für Jahr nehmen die Beschwerden über unpünktliche oder verschwundene Briefe zu. Oder darüber, dass tagelang überhaupt keine Zustellung erfolgt. Die Bundesnetzagentur erwartet erneut einen Rekord in Sachen Kundenunmut.

Das alles ist selbstverständlich auch Resultat des ständigen Personalabbaus der vergangenen Jahre und der Verdichtung bei den Arbeitsprozessen. Nach Einschätzung der Gewerkschaften zeigt sich die starke Belastung der immer älter werdenden Postboten an einer Vielzahl von Krankheitstagen. Darüber hinaus: Es geht ja nicht nur um verspätete oder fehlerhafte Zustellungen. Eine deutliche Service-Verschlechterung für die Verbraucher hat die Netzagentur schon im vergangenen Jahr bei der Leerung von Briefkästen beklagt.

Statt mehrfach wie früher findet sie zu oft nur noch einmal am Tag statt. Und an Sonn- und Feiertagen mitunter gar nicht mehr. Das ist der Grund, warum sich der Eindruck bei vielen Kunden verfestigt hat, dass montags immer seltener Briefe ankommen. Die gerne dann vom Konzern angeführten Statistiken über hohe und schnelle Auslieferungszahlen ändern nichts daran – die Realität wird anders erlebt. Deshalb muss sich das Unternehmen auch nicht wundern, wenn immer mehr Verbraucher sagen: Dann halt nur noch per E-Mail.

Ein Kommentar von Hagen Strauß. Foto: nn

Die Post muss besser werden, so einfach ist das. Auch wenn das digitale Zeitalter ihr arg zu schaffen macht. Beim Briefverkehr hat der Konzern immer noch einen öffentlichen Auftrag, den es zu erfüllen gilt. Wenn ihr das nicht mehr unzweifelhaft gelingt, muss die Bundesregierung einschreiten und der Post Beine machen. 

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