Meinung: Pompeo statt Tillerson

Meinung: Pompeo statt Tillerson

Dass Rex Tillerson seinen Stuhl räumen muss, ist alles andere als überraschend. Eher erstaunt, dass sich der langjährige Chef des Ölkonzerns Exxon Mobil unter Präsident Donald Trump so lange als US-Außenminister halten konnte.

Gestimmt hat es zwischen ihm und seinem Chef von Anfang an nicht. Tillerson war immer gegen die Aufkündigung des Pariser Klimavertrages, er hält das Iran-Atomabkommen für eine gute Sache und im Konflikt mit Nordkorea wollte er Verhandlungen und keinen Krieg mit Worten. Trump stellte Tillerson öffentlich bloß, indem er dessen Gesprächsangebote an Nordkorea als reine Zeitverschwendung diffamierte. Intern soll Tillerson den US-Präsidenten wiederholt als „Schwachkopf“ bezeichnet haben.

Nun soll Mike Pompeo, bisher Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, Außenminister werden. Sein persönliches Verhältnis zu Trump gilt als glänzend. In US-Medien ist zu lesen, dass Pompeo dem Präsidenten gerne nach dem Mund redet. Kritik oder Widerworte an die Adresse habe es von ihm noch nie gegeben. Gut möglich, dass die Vereinigten Staaten jetzt tatsächlich aus dem Nukleardeal mit dem Iran aussteigen — bisher haben vernünftige Leute wie Tillerson das verhindert. Ohne Zweifel macht das Abkommen die Welt sicherer. Kündigen die USA den Vertrag, stärkt das jene Kräfte im Iran, die über Atomwaffen verfügen wollen.

Was der Wechsel von Tillerson zu Pompeo für die Gespräche mit Nordkorea bedeutet, lässt sich seriös nicht beurteilen. Bis vor wenigen Tagen waren direkte Verhandlungen mit Diktator Kim Jong Un für Trump und auch Pompeo nur dummes Zeug. Jetzt soll schon im Mai ein Treffen stattfinden. Dass die US-Führung bis dahin über eine Strategie verfügt, sollte niemand erwarten. Vermutlich wird Trump erst am Tag des Treffens aus dem Bauch heraus entscheiden, was er im Umgang mit Nordkorea für richtig hält. Und sein Außenminister Pompeo findet’s bestimmt toll. Schreckliche Perspektiven.