Gesundheitssystem : Ohnmacht der Pflegekräfte

Der NRW-Gesundheitsminister hat noch viel Argumentationsarbeit vor sich, um die knapp 200 000 Pflegefachkräfte im Land zu überzeugen, sich in einer Pflegekammer mit Zwangsmitgliedschaft zu organisieren.

Zwar sagten in einer repräsentativen Umfrage unter 1500 Pflegekräften 79 Prozent Ja zu dem Vorhaben. Jedoch: Nur knapp die Hälfte war vor der Befragung mit dem Thema vertraut. Ob da das Pro und Contra umfassend abgewogen wurde?

Wenn demnächst der Landtag, gestützt auf die Umfrage, grünes Licht für eine Pflegekammer gibt, werden die Gegner ihre Truppen mobilisieren. Mit Argumenten wie dem, dass die Kammer ihre Mitglieder Geld koste, diese aber nichts an der schlechten Bezahlung von Pflegefachkräften ändere. Bei den Industrie- und Handelskammern gibt es die „Kammerrebellen“, die sich gerichtlich gegen die Zwangsbeiträge wehren. Und die bereits installierte Pflegekammer in Niedersachsen ist mit dem Protest von Pflegekräften gegen den Pflichtbeitrag konfrontiert.

Dabei hat der NRW-Gesundheitsminister gute Argumente, den Pflegeberufen organisatorisch Macht zu verschaffen. Die Pflegekräfte seien doch gerade deshalb, wie Laumann es sagt, „wie eine Zitrone ausgepresst“ worden, weil dieser Beruf „so grottenschlecht organisiert“ sei. Es werde Zeit, dass die Pflegeberufe mit den anderen Playern im Gesundheitssystem auf Augenhöhe mitreden.

Ja, die Interessenvertretung der Pflegeberufe muss gestärkt werden. Es geht um Menschen, die in einer alternden Gesellschaft für uns alle immer wichtiger werden und viel mehr Wertschätzung verdient haben. Doch müssen die Beteiligten mitgenommen werden auf ihrem Weg zu einer schlagkräftigen Interessenvertretung. Jeder Verdacht, dass sich das Land seiner Aufgaben auf Kosten der Pflegenden entledigen wolle, muss entkräftet werden. Wie auch der von den Kammerrebellen immer wieder ins Feld geführte Vorwurf, dass da mit Zwangsbeiträgen eine Funktionärswelt gepäppelt wird.

Mehr von Westdeutsche Zeitung