Pastoraler Zukunftsweg: Fragezeichen im Blick

Meinung : Fragezeichen im Blick

Ein großer Wurf ist angekündigt. Es gehe nicht um Klein-Klein, hat der Kölner Generalvikar Markus Hofmann versprochen. Am Ende wird es aber vor allem an den Details liegen, ob der Pastorale Zukunftsweg des Erzbistums Köln über die Interessen der Kirchenmitglieder hinwegführt oder von ihnen wirklich angenommen wird.

„Konservativ“, „hierarisch“, „altbacken“, „rückständig“, „ängstlich“ – das sind einige der meistgenannten Begriffe, mit der die Teilnehmer einer Online-Umfrage ihr eigenes Erzbistum beschrieben haben. In Zukunft sollen dort „offen“, „transparent“, „modern“, „innovativ“ und „ehrlich“ stehen.

Dafür betreiben die Kölner wirklich einen großen Aufwand. Rund 10 000 Menschen sind schon bisher in den Reformprozess eingebunden worden. Jetzt folgen drei Regionalforen in Köln, Euskirchen und Düsseldorf, auf denen die Kirchenmitglieder über die Vorschläge diskutieren können.

Aber auch sie werden danach noch Fragezeichen im Blick haben. Den Verheißungen von mehr Autonomie für die Gemeinden und größerer Verantwortung für die Ehrenamtlichen steht nämlich die Unschärfe gegenüber, zu welchen Größen die übergeordneten Pfarreien denn noch anwachsen sollen. Und die im Kern sinnvolle Zentralisierung komplexer Verwaltungsaufgaben birgt auch die Gefahr, zum Gegenpol dezentraler Verantwortlichkeiten zu werden.

Schließlich: Wenn die Ehrenamtlichen nicht nur die Arbeit, sondern auch die Verantwortung tragen sollen – wo kommen die Kräfte dafür eigentlich her? Viele der besten Köpfe, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen, haben sich an den kirchlichen Hierarchien wund gerieben und ihrer Kirche längst den Rücken gekehrt.

Dass der Zukunftsweg aus innerer Überzeugung und nicht aufgrund äußerer Notwendigkeiten eingeschlagen wird, dieser Glaube muss in den Gemeinden erst noch wachsen.

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