Meinung : Nicht im Gefängnis — aber bestraft ist Schlecker doch
Statt in einer Gefängniszelle darf Anton Schlecker nun weiter in der Familien-Villa leben. Zum einen, weil er diese zeitig genug an seine Frau übertragen hatte und die Gläubiger wegen der praktischerweise vereinbarten Gütertrennung nicht auf das Haus zugreifen können.
Zum anderen, weil das Gericht im Strafmaß für den Firmenpatriarchen mit zwei Jahren an der Grenze blieb, bis zu der eine Bewährung noch möglich ist.
Dieses Ergebnis mag nicht den Erwartungen der Öffentlichkeit an den Ausgang des Strafprozesses entsprechen. Und noch viel weniger den Illusionen der 25 000 Mitarbeiterinnen. Der Frauen also, die sich von Schlecker in die Arbeitslosigkeit getrieben fühlten und gleichzeitig vorgeführt bekamen, wie die Verantwortlichen ihre Schäfchen ins Trockene brachten. Doch das mit den Schäfchen ist längst nicht ausgemachte Sache. Schleckers Frau sieht sich Zivilklagen ausgesetzt, die am Ende die Villa unter den Hammer bringen können.
Dass die Richter Anton Schlecker nicht selbst, sondern nur seine Kinder ins Gefängnis schicken, dokumentiert jedenfalls dies: Sie bescheinigten dem Mann, der in besten Zeiten über 14 000 Läden herrschte, dass es ihm am Ende an Urteilsvermögen mangelte. Ging es in dem Strafprozess doch darum, ab wann er wusste, dass die Pleite nicht mehr abzuwenden sei. Schlecker hatte argumentiert, dass er lange geglaubt hatte, die Drogeriekette noch retten zu können. Das nahmen ihm die Richter bis zu einem gewissen Grad ab — und bestätigten ihm damit auch seinen Verlust unternehmerischer Weitsicht.