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Mit dem Tod endet nicht die Ansteckungsgefahr durch Corona

Meinung : Mit dem Tod endet nicht die Ansteckungsgefahr durch Corona

Mit dem Tod ist die Ansteckungsgefahr durch Corona nicht vorbei. Bestatter können sich bei den Verstorbenen noch infizieren. Deshalb ist diese Berufsgruppe genauso schützenswert wie medizinisches Personal in Krankenhäusern und anderen Pflegeeinrichtungen.

„Systemrelevant“ ist das Schlagwort der vergangenen Wochen. Das hat in der Bevölkerung bereits für Umdenken über sonst wenig beachtete Kassiererinnen und LKW-Fahrer gesorgt. Auch Bestatter werden weniger wahrgenommen. Zwar zählen Bestatter zur kritischen Infrastruktur, dürfen ihre Kinder in die Notbetreuung geben, werden aber nicht mit notwendigen Utensilien versorgt. Damit die Verstorbenen weiterhin würdevoll beerdigt werden können, müssen die Bestatter richtig ausgestattet sein. Der deutsche Bestatterverband beklagt, dass die Prozesskette nach Hospiz und Krankenhaus vergessen worden sei. Vielleicht nicht vergessen, aber ausgespart. Wohl deshalb, weil oberstes Ziel die Rettung von Leben ist. Heutzutage ist der Tod weitgehend aus der Präsenz der Lebenden verdrängt.Totenwachen sind ausgestorben.

Wenn in Bayern oder Sachsen-Anhalt Bestatter als systemrelevant gelten und somit bevorzugt Desinfektionsmittel und Schutzkleidung beziehen können, sollte NRW den Beispielen folgen. Föderalismus ist gut, wo es regionale Unterschiede gibt. Schutzausrüstung ist aber kein regionales Gut. Die Nachfrage besteht weltweit. Wenn die Desinfektionsmittel und Kittel schon für die jährlich 210 000 Toten in NRW aktuell nicht vorhanden sind, trägt jeder Corona-Tote – und NRW hat die meisten zu verzeichnen – dazu bei, dass die Schutzkleidung noch schneller knapp wird. Bilder nicht versorgter Verstorbener möchte man sich nicht vorstellen. Klar ist: Die Realität ist seit Wochen schneller als unser Vorstellungsvermögen. Klar ist aber auch: Wo keine Masken und keine Handschuhe, da gibt es auch nichts zu verteilen.

 Ein Kommentar von Fatima Krumm.
Ein Kommentar von Fatima Krumm. Foto: FK