Mikroplastik: Müllvermeidung ist besser

Kommentar : Müllvermeidung ist besser

In der vergangenen Woche hat der vor anderthalb Monaten gestartete gigantische Meeresstaubsauger des Projekts „Ocean Cleanup“ den angestrebten Müllstrudel im Pazifik erreicht. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob damit wirklich ein nennenswerter Beitrag im Kampf gegen die Vermüllung der Weltmeere geleistet werden kann.

Wesentlich sicherer ist, dass der Richtlinienbeschluss des EU-Parlaments ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Plastikflut wird. Denn die Vermeidung von Müll im Vorfeld ist allemal die bessere Lösung als nachträgliche Gedanken über seine aufwendige Beseitigung.

Schließlich gilt seit dieser Woche als nachgewiesen: Mikroplastik gelangt auch in den menschlichen Körper. Mit welchen Folgen und Gefahren, das muss noch weiter erforscht werden. Die Folgen für die Tierwelt sind indes schon seit Jahren bekannt: Laut Umwelt-Bundesamt sterben jährlich mehr als eine Million Seevögel und weitere 100 000 Meereslebewesen am Plastikmüll, der in den Ozeanen treibt.

Zwischen 10 und 30 Millionen Tonnen Kunststoffe werden Jahr für Jahr zusätzlich in die Weltmeere gespült. Das verdeutlicht die globale Dimension des Problems. Das Bewusstsein dafür mag in anderen Regionen der Erde geringer ausgeprägt sein als in Europa. Aber zur Selbstzufriedenheit besteht kein Grund: Auch aus der EU gelangen schätzungsweise bis zu 500 000 Tonnen Plastik pro Jahr ins Meer. Und beim Verpackungsmüll sind die Deutschen ganz weit vorne. Zudem liegt selbst hierzulande die Recyclingquote gerade mal bei einem Drittel.

Die breite Mehrheit im EU-Parlament für die Plastik-Richtlinie lässt hoffen, dass auch die noch ausstehende Gesetzesabstimmung mit der Kommission und den Mitgliedsstaaten zügig erfolgt. Das sonst übliche Gejammer über weitere Beschränkungen aus Brüssel ist jedenfalls nicht gerechtfertigt: Beschränkt wird nur unser gedankenloser Raubbau an der Natur.

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