Mehr Geld für die Pflege

Meinung: Mehr Geld für die Pflege

Pflegedienste schlagen Alarm: Fachkräfte fehlen. Unklar ist, woher all die Fachkräfte kommen sollen. Ganz sicher wissen wir aber, dass die Pflegeversicherung erheblich mehr Geld brauchen wird als heute.

Noch findet die Pflege in diesem Land meist zu Hause statt. Und sie ist weiblich. Es sind fast immer Ehefrauen, Töchter und Schwiegertöchter, die ihre Angehörigen betreuen. Das wird sich ändern. Die Bereitschaft, den eigenen Beruf für die Versorgung der Eltern aufzugeben, schwindet.

Nicht nur die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt also stark zu, sondern eine wachsende Zahl dieser Menschen wird auf professionelle Hilfe angewiesen sein. Völlig unklar ist, woher all die Fachkräfte kommen sollen, die diese Leistung erbringen. Ganz sicher wissen wir aber, dass die Pflegeversicherung erheblich mehr Geld brauchen wird als heute.

Woher sollen die Milliarden kommen? Es wäre falsch, den bisherigen Weg fortzusetzen und den Pflegebeitrag auf das Arbeitseinkommen weiter zu erhöhen. Wir belasten den Faktor Arbeit über die Sozialversicherung schon jetzt viel zu stark. Das trifft vor allem kleine und mittlere Einkommen besonders hart, weil der komplette Lohn der Beitragspflicht unterliegt. Hohe Einkommen werden dagegen jenseits der Bemessungsgrenze nicht herangezogen. Wenig hilfreich ist der Vorstoß der Wohlfahrtsverbände, die Bemessungsgrenze für die Pflegekasse auf das Niveau der Rentenversicherung anzuheben. Das bringt zwar mehr Einnahmen, schwächt aber auch die Betriebe, weil die Arbeit teurer wird.

Zielführend wäre stattdessen, den Sozialstaat deutlich stärker als bisher über Steuern zu finanzieren. Ein höherer Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer bietet sich ebenso an wie ein Plus bei der Erbschaftsteuer. Deren Aufkommen ist mit sechs Milliarden Euro im Jahr sehr gering. Mehr Steuern  für den Sozialstaat werden ein grundlegendes Problem aber nicht lösen: Die Lebenserwartung wächst, wir brauchen mehr Geld für die eigene Betreuung im Alter. Die Pflegeversicherung kann das nur zum Teil übernehmen. Ohne eigene Rücklagen lässt sich das nicht über Jahre bezahlen.

Ein Kommentar von Rolf Eckers. Foto: Sergej Lepke
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