Meinung Globale Abhängigkeit

DÜSSELDORF · Zur Bekämpfung der Medikamentenengpässe gibt es keine schnell wirkende Maßnahme.

Medikamente, weiter bestehende Engpässe
Foto: dpa/Monika Skolimowska

Schon im vergangenen Jahr war es ein Problem, die Politik versprach Abhilfe, leitete auch Schritte ein. Doch das Problem wird offenbar noch drängender als zuvor: die Medikamentenknappheit etwa bei Antibiotika oder Fiebersäften. Das legt nahe, dass die Dosis der Maßnahmen, mit denen die Politik gegensteuert, einfach nicht ausreicht.   Beziehungsweise gar nicht so schnell wirken kann wie gewünscht. Und eben das ist nicht verwunderlich. Denn die Probleme, die jetzt verstärkt sichtbar werden, sind Ergebnis einer langen, nur schwer zurückzudrehenden Fehlentwicklung.

Für die Medikamentenherstellung essenzielle Produkte werden aus Kostengründen längst in Staaten wie Indien und China hergestellt. Leicht werden die Lieferketten brüchig, wenn es irgendwo auf der Welt zu Problemen kommt. Diese internationale Abhängigkeit von wenigen Lieferanten setzt sich auf nationaler Ebene fort. Krankenkassen schließen Verträge mit den billigsten Medikamentenanbietern ab. Wenn Patente abgelaufen sind, fragen sich Hersteller, warum sie dann nur noch zu kaum einträglichen Kosten produzieren sollen. Das wiederum fördert die Abhängigkeit von wenigen Produzenten.

Auf europäischer Ebene ist nun geplant, bestimmte Medikamente EU-weit gemeinsam zu beschaffen. So könnten Mitgliedsstaaten, wenn es regional an Medikamenten fehlt, auf gemeinsame Vorräte zurückgreifen. Eine ähnliche Maßnahme wird in der Gesundheitspolitik auch auf nationaler Ebene gefordert. Dass der Staat eine Medikamentenreserve sicherstellt, mit der Lieferengpässe eine Weile überbrückt werden können. Aktuell auf knappe Medikamente angewiesene Menschen helfen solche Ideen nicht weiter. Ihnen hilft nur der Rat, den auch Apotheker und Ärzte geben.  Nicht bis zur letzten Tablette zu warten, sondern sich frühzeitig beim Arzt ein neues Rezept verschreiben zu lassen. Wird dann in der Apotheke ein Lieferengpass offenbar, so ist, hoffentlich, noch genügend Zeit, nach Alternativen zu suchen.

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