Meinung: Lufthansa am Boden

Meinung: Lufthansa am Boden

Die Piloten setzen ihren Streik fort.

Wer geglaubt hat, nun sei es langsam mal gut mit der Streikwelle bei der Lufthansa, sieht sich eines Schlechteren belehrt: Nach einer kurzen Pause soll die Kranich-Linie am Dienstag und am Mittwoch erneut am Boden bleiben. Bis zu zehn Millionen Euro kostet das die Lufthansa - pro Tag. Hinzu kommt der immaterielle Schaden. Als da wären, verärgerte Kunden und ein ramponiertes Image des einst so stolzen Unternehmens.

Schaut man sich dann noch näher an, über was die Tarifparteien sich eigentlich streiten, dürften viele die Welt nicht mehr verstehen. Es geht um Lohnforderungen im zweistelligen Prozentbereich und um eine üppige Altersversorgung. Damit kein Missverständnis aufkommt: Piloten haben einen höchst verantwortungsvollen Job. Wer in einem Flieger sitzt, muss sich auf die Besatzung hundertprozentig verlassen können. Er vertraut ihr sein Leben an. Wahr ist allerdings auch, dass das Flugwesen von heute nicht mehr das der 1970er oder 80er ist.

Seinerzeit war Fliegen noch etwas Besonders. Aus dieser Zeit datieren auch noch die zum Teil großzügigen Privilegien, welche die Lufthansa-Piloten nun mit aller Streikmacht verteidigen wollen. Doch die Rechnung kann nicht aufgehen. Der Konkurrenzdruck macht um die Lufthansa keinen Bogen. Auf der einen Seite spielen Billig-Arlines eine immer größere Rolle. Auf der anderen Seite gewinnen staatlich subventionierte Luxus-Arlines aus dem arabischen Raum immer mehr Marktanteile. Kein Wunder, dass Lufthansa den Rotstift ansetzen muss, um da mitzuhalten.

Wahrscheinlich braucht es in der aktuellen Lohnrunde erneut einen Schlichter vom Schlage Matthias Platzecks. Der frühere SPD-Chef hatte schon vor gut einem Jahr den Tariffrieden bei den Flugbegleitern beflügelt. Auf jeden Fall sollten sich Piloten-Gewerkschaft und Unternehmen schleunigst an den Verhandlungstisch setzen. Sonst bleibt Lufthansa eines Tages womöglich für immer am Boden.