Kommentar Kein Hoffnungsschimmer im Nahen Osten

Meinung · Der Himmel über Nahost verdunkelt sich weiter. Ein Kommentar.

Lage im Nahen Osten: Kein Hoffnungsschimmer​
Foto: dpa/Mukhtar Khan

Den mutmaßlichen Unfalltod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi hätte es im Nahen Osten nicht auch noch gebraucht. Spätestens seit dem 7. Oktober vergangenen Jahres, seit Terroristen der Hamas mehr als 1000 wehrlose Israelis grausam abgeschlachtet haben, brennt die Region lichterloh. Der Krieg Israels gegen den Terror hat die zuvor leidlich vorhandene Stabilität abgelöst. Israels Regierungschef isoliert sein Land durch den militärischen Einsatz im Gazastreifen gegen die Verbrecher der Hamas international zusehends. Gleichzeitig verliert er die Kontrolle über die ultrakonservativen Aktivisten im eigenen Land. Es ist ein gefährliches Tohuwabohu, eine Situation, die bereits zigtausende Menschen das Leben gekostet hat. Und nun die Nachricht aus dem Iran.

In Präsident Ebrahim Raisi ist ein Spalter, ein Hetzer gegen Israel und die westliche Welt ums Leben gekommen. Warum der Hubschrauber mit ihm und Außenminister Hossein Amir-Abdollahian an Bord abstürzte, ist noch ungeklärt. Was das mutmaßliche Unglück aber bedeuten kann, wenn es kein Unglück gewesen ist, machten Reaktionen aus Israel und aus Kreisen der Hamas deutlich. Während die Terrororganisation Raisi als Unterstützer der Hamas im Kampf gegen Israel würdigte, wies Israel jede Beteiligung an dem Absturz augenblicklich zurück. Der Tod des iranischen Präsidenten kann einen Konflikt eskalieren, von dem viele Beobachter schon dachten, er habe den Höhepunkt der Eskalation bereits erreicht.

Im Iran beginnen nun die Vorbereitungen der Wahl, die innerhalb von 50 Tagen nach dem Tod des Präsidenten abgehalten werden müssen. Ein Hoffnungsschimmer ist damit allerdings nicht verbunden. Mit harter Hand hat Raisi selbst die Opposition im Lande brutal unterdrückt. Das islamistische Regime machte dabei vor Mord und Totschlag nicht halt. Angekündigte Reformen blieben hingegen aus. Das ist ein Fingerzeig auf die Zukunft im Iran nach Raisi. Sein Nachfolger wird in dessen Fußstapfen treten. Sonst wird er nicht der Nachfolger. Der Himmel über Nahost verdunkelt sich weiter.

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