Ladensterben in Krefeld und Wuppertal: Wir haben es in der Hand

Kommentar : Ladensterben in den Innenstädten: Wir haben es in der Hand

Leerstehende Geschäfte, heruntergekommene Immobilien, überfüllte Abfalleimer – ja, es gibt sie, die Straßenzüge, die nicht zum Einkaufen einladen, sondern abschrecken. Es gibt sie in, in und anderswo.

Fast alle Städte kennen das Problem. Und die Konzepte dagegen klingen immer gleich: Der Einkauf muss zum Erlebnis werden. Wer in die Stadt fährt, um sich eine Jacke oder Schuhe zuzulegen, soll nicht nur Top-Beratung im Geschäft erwarten können, sondern die City gleichsam als Gesamtkunstwerk erleben – sauber und sicher, mit toller Gastronomie, spannender Architektur und origineller Kultur.

Jenseits dieser idealen Welt ist die Wirklichkeit oft trist. Gerade strukturschwache Kommunen haben weder das Geld noch die Investoren, um alle ihre Defizite zu beseitigen. Hinzu kommt die Anziehungskraft des Online-Handels. Es ist einfach sehr bequem, im Internet einzukaufen. Losgelöst von Raum und Zeit lässt sich prima shoppen. Auswahl und Preistransparenz sind unschlagbar. Und wenn die Hose nicht passt oder gefällt, geht die Ware eben wieder zurück. Oft kostet das nicht mal was. Bei Mode, Spielwaren und Unterhaltungselektronik läuft schon ein Drittel des Umsatzes im Netz ab. Der Kampf um den Käufer wird immer häufiger vom Internet gewonnen.

Wir Verbraucher haben es in der Hand. Wer die vielen Vorteile des Online-Handels genießt, verursacht mehr Verkehr in den Städten. Denn die Pakete müssen ja gebracht werden. Wer die Geschäfte in seiner Stadt meidet, trägt zum Sterben der Läden bei. Wer per Klick kauft, sollte sich fragen, ob nicht auch der eigene Arbeitsplatz verschwindet, wenn das Digitale immer häufiger dominiert. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Sich blind gegen die Digitalisierung zu wehren, wäre dumm und töricht. Aber es gibt viele Lebensbereiche, in denen das analoge Miteinander lohnend ist. Das Einkaufen in der Innenstadt kann durchaus dazu gehören.

Ein Kommentar von Rolf Eckers. Foto: Sergej Lepke