Kurzzeitpflege: Mosaikstein der Versorgung

Meinung : Kurzzeitpflege: Mosaikstein der Versorgung

Die Idee, Krankenhäuser bei der Kurzzeitpflege selbst mit ins Boot zu holen, klingt plausibel und nach einer Win-win-Situation. Schließlich haben sie auf dem Papier noch gut 20 Prozent Spielraum bei der Auslastung.

Eine Hauptaufgabe der Kurzzeitpflege ist die Brückenfunktion zwischen einem Krankenhausaufenthalt und der Rückkehr nach Hause. Betroffene Familien wissen zur Genüge, zu welchen dramatischen und belastenden Situationen es kommen kann, wenn die Krankenhausbehandlung beendet, die Pflegebedürftigkeit aber gestiegen ist und ein Kurzzeitpflegeplatz nicht zur Verfügung steht. Ein Versorgungsengpass, der im Westen Nordrhein-Westfalens noch deutlich stärker ausgeprägt ist.

Dieses Gefälle muss im Interesse der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen zwingend entschärft werden. Jeder Mosaikstein auf diesem Weg ist willkommen. Die Idee, dabei die Krankenhäuser selbst mit ins Boot zu holen, klingt plausibel und nach einer Win-win-Situation. Schließlich haben sie auf dem Papier noch gut 20 Prozent Spielraum bei der Auslastung. Und sie gehen bisher leer aus, wenn sie sich bereitfinden, Patienten länger zu halten, deren Behandlung zwar eigentlich abgeschlossen ist, die aber noch nicht in der Lage sind, in die eigenen vier Wände zurückzukehren.

Aber Wunderdinge sind von der neuen Möglichkeit nicht zu erwarten. In Spitzenzeiten sind viele Häuser gut ausgelastet. Die niedrigeren Durchschnittszahlen resultieren zum Teil auch daraus, dass der Betrieb beispielsweise in Urlaubszeiten generell zurückgefahren wird. Auch sind die Versorgungsanforderungen eines Meniskuspatienten andere als die eines pflegebedürftigen Demenzkranken. Es ist daher noch überhaupt nicht ausgemacht, wie groß die Begeisterung bei den Krankenhausträgern ausfällt, das neue Angebot aus dem Gesundheitsministerium auch in Anspruch zu nehmen.

Minister Karl-Josef Laumann hofft natürlich auf großen  Zuspruch. Die pragmatische Idee jedenfalls passt zu dem kauzigen Westfalen. Um sein Herzensthema Pflege voranzubringen, ist ihm jeder Weg recht. 

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