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Kommentar zur NRW-Unfallstatistik: Stau rettet Leben

Meinung : Kommentar zur NRW-Unfallstatistik: Stau rettet Leben

Es krachte häufiger in NRW 2019 – dafür starben weniger Menschen. Was seltsam klingt, ist nur logisch. Das gilt leider auch für die zunehmenden schweren Unfälle mit Senioren.

Es ist auffällig, aber im Grunde leicht zu erklären: Die Zahl der Autos und Unfälle in NRW steigt seit Jahren immer weiter an – gleichzeitig sinkt die Zahl der Verkehrstoten. Wenn mehr Fahrzeuge um den Raum auf der Straße kämpfen, rumpelt es öfter. Aber mit geringerer Geschwindigkeit, weil der Platz zum Gasgeben gar nicht mehr vorhanden ist. Anders gesagt: Stau rettet Leben. Dass dies aus Sicht der Landesregierung eine gute Nachricht ist, darf freilich bezweifelt werden.

Ohnehin taugt die Unfallstatistik kaum dazu, von einem Jahr auf das andere politischen Erfolg oder politisches Versagen zu konstatieren. Dass Kinder und junge Erwachsene heute so viel sicherer im Verkehr unterwegs sind, ist Auswuchs jahrelanger, teils jahrzehntelanger Präventionsarbeit, die endlich fruchtet. Was hilft, erklärte Polizeiinspekteur Michael Schemke bei der Pressekonferenz zur Statistik am Dienstag, ist, dass man weiß, wo man diese Zielgruppen antrifft und erreicht. Bei den Senioren ist das anders. Die Entwicklung ist ebenso erklärlich und logisch wie jene bei Unfall-Plus und Todesopfer-Minus: Immer mehr Menschen werden immer älter, wollen aber weiter mobil sein; Pedelecs geben ihnen, die körperlich eingeschränkt sind, neue Möglichkeiten, sich zügig zu bewegen – und das birgt neben Chancen auch Gefahren.

Innenminister Herbert Reul (CDU) hat angekündigt, gleich im März Vertreter der Polizeibehörden in sein Haus einzuladen, um über Präventionsprogramme für Senioren zu beraten und „Best Practise“-Beispiele zu finden. Eine gute Idee, denn die Probleme mit dieser Zielgruppe werden naturgemäß zunehmen. Was gegen illegale Autorennen und Drogenfahrer hilft? Letztlich wohl nur Kontrolle und harte Strafen. Es wird interessant sein, zu sehen, ob die neuen Mordurteile gegen Raser bis zur Unfallstatistik in einem Jahr schon eine Trendumkehr bewirken können.