Kommentar zur Landtagswahl: Was das Wahlergebnis in Thüringen bedeutet

Meinung : Was das Wahlergebnis in Thüringen bedeutet

Alle Parteien haben sich vor der Wahl regelrecht eingemauert. Doch es gilt auch, die Realitäten zu akzeptieren und über den eigenen Schatten zu springen. Denn ansonsten triumphiert die ohnehin so erfolgreiche AfD erneut.

Die Bundespartei kann zufrieden sein – Linke gewinnen noch Wahlen! Bodo Ramelow hat seinen Ministerpräsidentenbonus in Thüringen voll ausspielen können. Doch was er aus dem Wahlsieg machen wird, ist völlig offen. Denn nach diesem Ergebnis geht politisch erst einmal wenig im Freistaat. Denn alle Parteien haben sich vor der Wahl regelrecht eingemauert.

Vor allem die CDU steckt jetzt in einem strategischen Dilemma. Sie hat kategorisch jede Kooperation mit Ramelow abgelehnt. Sicher, würde die Union sich nun doch zu den Linken hin öffnen, bekäme Spitzenkandidat Mike Mohring ein Glaubwürdigkeitsproblem. Doch es gilt auch, die Realitäten zu akzeptieren: Die CDU muss sich überlegen, ob sie nicht über ihren Schatten springt und eine Regierung ermöglicht. In welcher Form auch immer. Das gilt voraussichtlich genauso für die FDP. Denn ansonsten triumphiert die ohnehin so erfolgreiche AfD erneut.

Sie ist inzwischen im Osten eine Macht, egal wie völkisch und national ihre Vertreter auftreten. Das ist besorgniserregend. Dass die Rechten in Thüringen jetzt vor der CDU liegen und die Union im Gegenzug so deutlich verloren hat, ist auch eine Klatsche für die neue Vorsitzende Kramp-Karrenbauer. Auch sie muss sich jetzt fragen, was die Union falsch macht. Freilich wie die andere Parteien ebenfalls.

Nichts Neues wiederum bei der SPD. Die Partei kämpft weiter gegen die Bedeutungslosigkeit an. Ein herber Dämpfer ist die Thüringen-Wahl auch für die Grünen – dass es so eng werden würde, damit hat wohl niemand nach dem Höhenflug der letzten Monate gerechnet. Der Klimaschutz zieht im Osten beileibe nicht so wie anderswo. Demgegenüber ist die erneute Zitterpartie der FDP auch ein Zeichen für Parteichef Christian Lindner. Er wird sich fragen müssen, ob dies auch was mit der bundespolitischen Performance der Liberalen zu tun hat. Oder andere stellen sie ihm.

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