Kommentar zum Karriereende von Dirk Nowitzki

Meinung : Dirk Nowitzki: Was für eine Geschichte

Wenn man sich an eine dunkle Station im Leben des Dirk Nowitzki erinnern möchte, dann ist da diese elendige Beziehungsgeschichte, als der Deutsche sich 2008 in Dallas in eine Brasilianerin verliebte, die eine Betrügerin war, mit falscher Schwangerschaft hantierte und an Nowitzkis Geld wollte.

Man hatte damals den Wunsch, „Dirkules“ in den Arm zu nehmen – was nicht ganz leicht wäre – und ihm zuzurufen: Bald wird es wieder besser. Es war ein Gefühl gleichermaßen der Deutschen und der Amerikaner, was ganz gut verdeutlicht, was er geschafft hat: die Herzen zu erreichen. Man gönnte ihm alles. Vor allem sein ganz privates Lebensglück.

Die Geschichte hat alles, was eine gute Geschichte ausmacht: Der Junge aus Würzburg zieht in die USA, ist ein passabler Basketballer, trainiert in der NBA-Pause in der Rattelsdorfer Turnhalle mit seinem Mentor Holger Geschwindner und wird immer besser. Bis zum NBA-Star. Er erntet Geld und Ruhm – und bleibt doch der Nowitzki, der aus der mitgebrachten Lunchbox isst, in dieser Rattelsdorfer Halle allein auf den Korb wirft, wieder und wieder, Flugkurven berechnet und versucht, immer besser zu werden. Der nie der Beste war, aber das Spiel auf seine Art revolutinierte: Mit Würfen eines 2,13 Meter-Spielers von außen, kaum zu verteidigen, weil er zum Wurf einbeinig nach hinten wegkippte. 21 Jahre lang, immer in Dallas. Der treue Dirk.

Wer immer die Emotionen des Sports noch nicht zu schätzen weiß, wird bei Nowitzki fündig. Seine letzte NBA-Saison ist eine sagenhafte Abschiedstournee mit Gegnern, die sich verneigten, mit Fans, die ihn feiern. US-Show trifft auf Bescheidenheit. Die Größten des größten US-Sports sind gerade zum Abschied gekommen. Jetzt beginnt der vielleicht größte deutsche Sportler ein neues Leben, in dem Nowitzki ernten kann, was er sich in seinem alten erworben hat: Respekt und tiefe Anerkennung.

Olaf Kupfer. Foto: ja/Sergej Lepke
Mehr von Westdeutsche Zeitung