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Kommentar zum Deutschen Feuerwehrverband: Scherbenhaufen Feuerwehr

Kommentar zum Deutschen Feuerwehrverband : Scherbenhaufen Feuerwehr

Wer versucht nachzuvollziehen, was den Deutschen Feuerwehrverband (DFV) gerade reitet, mit Hartmut Ziebs ausgerechnet einen Präsidenten zu demontieren, der den Verband durch seine Initiativen wie seine Kompetenz aus dem Schatten­dasein des deutschen Verbandslebens herausgeholt hat, der gerät schnell an seine Grenzen.

Die verschwurbelte Kommunikation der Kritiker lässt jedenfalls nur einen Schluss zu: Der DFV steht nicht nur vor einem Scherbenhaufen, er ist gerade selbst einer.

Da wird ein neuer internationaler Verband gegründet, nachdem Ziebs im Juli zum Vizepräsidenten des Weltverbandes gewählt worden war. Da treffen sich etliche Landesverbände schon vor der Sitzung des Präsidialrats, um sich abzustimmen, noch bevor die Aussprache überhaupt stattgefunden hat. Mediationsangebote werden abgelehnt und die Begründungen für die Attacke gegen den Präsidenten verlieren sich im Gestrüpp zwischenmenschlicher Empfindlichkeiten.

Es entsteht der Eindruck, dass da gerade ein forscher und innovativer Kopf an Beharrungskräften scheitert. Ziebs hat die Feuerwehr so klar wie berechtigt vor der Gefahr rechtsnationaler Unterwanderung gewarnt, er hat mit der Besetzung der Bundesgeschäftsführung eine mutige Personalentscheidung getroffen und dabei womöglich manchem auf die Füße getreten. Vor allem aber hat er mutmaßlich mit seinem Tempo einige Verbandsgepflogenheiten übergangen oder gar überfahren.

Doch deswegen den ganzen Karren derart vor die Wand fahren zu lassen, macht angesichts der verbreiteten Kameradschafts-Poesie der Feuerwehr einigermaßen fassungslos. So reagieren auch weite Teile der Basis auf die verbandlichen Ränkespiele. Was allenfalls noch helfen könnte, wäre jetzt ein kompletter personeller Neuanfang. Aber dazu scheint der Scherbenhaufen Feuerwehr derzeit nicht willens zu sein.

Ekkehard Rüger Foto: ja/Sergej Lepke