Kommentar: Wie die Energiewende mit Mieterstrom noch funktionieren kann

Meinung : Wie die Energiewende mit Mieterstrom noch funktionieren kann

Auch die Mieter sollten bei der Energiewende mitmachen dürfen.

Das Beispiel Mieterstrom darf gern herangezogen werden, wenn man jemandem den Sinn des Sprüchleins „Gut gedacht ist nicht gut gemacht“ erklären möchte. Gedacht war er von den Ideengebern mal als ein Weg, die Energiewende auch für die vielen Menschen in Mietshäusern erlebbar zu machen und neben den Einfamilienhaussiedlungen auch die viel größeren Dächer der innerstädtischen Wohnhäuser für den Photovoltaik-Ausbau heranzuziehen. Herausgekommen ist ein Minenfeld, in dem jeder Vermieter, der seinen Beitrag gegen den Klimawandel leisten und seinen Mietern eine zusätzliche energetische Option bieten will, sich in die bürokratische Bredouille bringt. 

Dass die Bundesregierungen Szenarien verhindern wollte, in denen edle Gewerbeparks mit ein paar Luxusapartments sich staatlich geförderten Sonnenstrom vom Dach des Penthouse holen, ist verständlich. Oder in denen Vermieter die Menschen in ihren Häusern rundweg zwingen, den selbst erzeugten Strom abzunehmen, statt frei einen Energieanbieter zu wählen. Das muss aber anders möglich sein, als durch das Ersticken jedweder Wachstumsmöglichkeit der Mieterstromidee im Keim.

Energiewende geht nicht ohne Mut. Und Energiewende geht nur gesamtgesellschaftlich. Die Menschen – in diesem Fall Vermieter und ihre Mieter – müssen den Mut aufbringen, neue Konzepte mitzutragen und auszuprobieren. Die Politik muss aber auch den Mut haben, Rahmenbedingungen zu schaffen, um das möglich zu machen. Insofern darf man mit Spannung und Hoffnung auf das schauen, was aus dem Hause von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Bälde kommen dürfte. Wird es Mieterstrom zu einer günstigen, leicht und rasch umsetzbaren Variante der Energieversorgung in der City machen? Dann hat die gute Idee doch noch eine echte Chance auf gute Umsetzung.

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