Kommentar: Warum der Ganztagsausbau auf wackligen Füßen steht

Meinung : Warum der Ganztagsausbau auf wackligen Füßen steht

Bahnbrechend ist die Erkenntnis, dass der Ausbau der Ganztagsbetreuung mehr Erwerbstätigkeit der Eltern ermöglicht, nicht gerade. Was wird die Studie für Folgen haben?

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter, also die Umsetzung des Rechtsanspruchs bis 2025, wird den Staat nicht nur viel kosten, sondern ihm auch Einnahmen bescheren. Weil längere Betreuung zugleich mehr Erwerbstätigkeit der Eltern ermöglicht. So eine am Montag von Familienministerin Giffey vorgestellt Studie. Mal ehrlich: Bahnbrechend ist diese Erkenntnis nicht gerade. Und fraglich ist auch, ob sich die Gemüter aller Landesregierungen mit der Expertise werden beruhigen lassen.

Es gibt noch viel zu tun, wenn der Staat nicht zum Rechtsbrecher werden will. Denn derzeit kommt nur etwa die Hälfte der drei Millionen Grundschulkinder in den Genuss, auch nachmittags betreut zu werden. Zwei Milliarden Euro gibt der Bund den Ländern und Kommunen, damit sie in den nächsten fünf Jahren Räume und Gebäude für Ganztagsangebote der 15.000 Grundschulen finanzieren können. Tatsächlich sind aber schätzungsweise fünf bis sieben Milliarden Euro notwendig – ohne Folgekosten.

Kein Wunder also, dass die Länder nach wie vor kritisch auf das hehre Versprechen reagieren, das die Bundesregierung auf ihrem Rücken gemacht hat. Zumal der Bedarf der Ganztagsbetreuung regional durchaus unterschiedlich ist. Es stehen daher noch schwierige Verhandlungen an, damit der Rechtsanspruch einigermaßen umgesetzt werden kann.

In Ganztagsbetreuung zu investieren, ist zweifellos gut angelegtes Geld, damit sich bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter etwas verbessert. Auch für die Bildungschancen von Kindern aus sozial schwachen Haushalten. Fakt ist aber ebenso: Der Rechtsanspruch könnte nicht nur an den noch fehlenden Mitteln scheitern, sondern auch am Personalmangel. Lehrer werden fast überall dringend gesucht. Die Kosten-Nutzen-Rechnung des jüngsten Giffey-Gutachtens klammert augenscheinlich auch dies aus. Es steht auf sehr wackligen Füßen.