Kommentar: Herbert Reul und die Wald-Widersprüche

Meinung : Herbert Reul und die Wald-Widersprüche

Die Situation um seine verschwundenen Erinnerungen, die nun wieder auftauchen, mag der NRW-Innenminister Herbert Reul als verzeihbare Fehler beurteilen. Die Angelegenheit kann sich aber auswachsen.

Die Situation um seine verschwundenen Erinnerungen, die nun wieder auftauchen, mag der NRW-Innenminister Herbert Reul als verzeihbare Fehler beurteilen. In seiner charmant väterlichen Art, für deren Wirkung auf andere er einst von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) als Innenminister, der im Stahlgewitter zu stehen hat, nominiert worden ist.

Sie ist trotzdem nicht zu unterschätzen, weil eine Landesregierung, die bis heute nicht die Kosten für den vermutlich millionenschweren Polizeieinsatz benennen kann, sich durch undurchsichtige Verhaltensketten dem Verdacht aussetzt, quasi im Auftrag eines Großunternehmens gehandelt zu haben. Vorauseilender Gehorsam für RWE?

Das ist die tatsächlich große Gefahr für Herbert Reul, der nebenbei bemerkt gerade das ausbadet, was verantwortlich auch im Bauministerium bei Ministerin Ina Scharrenbach entschieden wurde. Dass die Brandschutzgefahr in den Baumhäusern ein Verwaltungs-Vorwand für ein größeres Ziel als nur Lebenserhalt bei Waldbesetzern waren, war schon vor einem Jahr ziemlich klar – auch wenn immer geleugnet.

Reuls und auch Scharrenbachs Glück in dieser Sache ist bislang, dass die Mehrzahl der Menschen wenig Sympathie für Menschen haben, die – um es direkt zu formulieren – aus besetzten Baumhäusern auf Polizisten urinieren. Trotz dieser Prämisse kann sich die Angelegenheit auswachsen. Vor allem, weil die Landesregierung jetzt jene Inkonsequenz an den Tag legt, die man ihr als Gefahr schon vor einem Jahr prognostiziert hat: Laut Polizei gibt es inzwischen im Hambacher Wald bis zu 60 neue Bauten in den Bäumen und bis zu 30 Konstruktionen am Boden mit rund 100 Besetzern.

Bislang machen weder Scharrenbach noch Reul Anstalten, die Dinge wieder in polizeiliche Hände zu geben, um Leib und Leben der Menschen im Wald zu schützen. Stichwort Brandschutz.

Mehr von Westdeutsche Zeitung