Kommentar: Eskalation zwischen Iran und USA - Ein Flächenbrand droht

Meinung : Eskalation zwischen Iran und USA - Ein Flächenbrand droht

Die gezielte Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani übertrifft alles, was es bisher an Eskalation in der Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA gegeben hat.

Seit die USA das Nuklearabkommen mit dem Iran aufgekündigt haben, schwelt der Konflikt zwischen Washington und Teheran. Welche Strategie US-Präsident Donald Trump dabei verfolgt, ist nicht zu erkennen. Zu widersprüchlich sind die Worte und Taten des Mannes im Weißen Haus. Vor einem halben Jahr ließ Trump einen Militärschlag gegen den Iran im letzten Moment abblasen. Diesmal schreckte der Präsident nicht zurück.

Die gezielte Tötung des iranischen Top-Generals Ghassem Soleimani übertrifft alles, was es bisher an Eskalation in dieser Auseinandersetzung gegeben hat. Soleimani galt als engster Vertrauter des wichtigsten Führers in Teheran, Ali Chamanei. Für den Iran ist Trumps Schlag eine Kriegserklärung. Jetzt droht ein Flächenbrand.

Es ist irritierend, dass der US-Präsident ein solches Risiko eingeht. Seinen Anhängern verspricht er seit jeher, die „endlosen“ Kriege Amerikas zu beenden und US-Truppen heimzuholen. Knapp ein Jahr vor der Wahl in Amerika einen bewaffneten und unkalkulierbaren Streit zu provozieren, ist rational nicht zu erklären. Oder glaubt Trump tatsächlich, dass Teheran zu einer militärischen Reaktion nicht fähig ist?

Zwar leiden die Menschen im Iran unter den Sanktionen, die Trump einseitig gegen das Land verhängt hat. Doch das Land verfügt über eine starke Armee. Noch wichtiger: Iran-treue Milizen, die in fast allen Ländern der Region Stützpunkte haben, sind zu allem bereit.

Die libanesischen Hisbollah-Kämpfer schrecken auch nicht davor zurück, Israel mit Raketen anzugreifen, wenn Teheran das so will. Trumps Vorgänger George W. Bush und Barack Obama hätten Soleimani bereits töten können. Aus Angst vor einem weiteren Krieg am Golf haben sie darauf verzichtet. Trump geht einen anderen, einen sehr gefährlichen Weg. Nicht nur die US-Soldaten in der Region müssen jetzt jederzeit mit Terrorattacken rechnen.