Kommentar: Eiertanz um die Kügelchen

Kommentar : Eiertanz um die Kügelchen

Der bayerische Landtag meint es tatsächlich ernst: Ein Gutachten soll klären, ob homöopathische Zuckerkügelchen den Einsatz von Antibiotika vermindern können. Das ist gefährlicher Unsinn.

Es stimmt ja: die Menschen greifen allzu schnell zum Antibiotikum. Wenn man sie aber nun mit Globuli eben davon abhalten will, kann das Schaden anrichten. Man denke an den Heilversuch mit Zuckerkügelchen etwa bei einer schweren Sepsis. Der Boden für eine Akzeptanz eines solchen Fehlgriffs ist längst bereitet. Die Krankenkassen beteiligen sich finanziell. Und da denken die Menschen: Wenn die Kasse das bezahlt, wird schon was dran sein. Anders als bei Medikamenten, deren Wirksamkeit durch Studien nachgewiesen werden muss, gibt es den Zuschuss bei den Globuli auch ohne diesen Nachweis. Auf Kosten aller Versicherten.

Die Grünen sind bei dem Thema besonders zerrissen. Hat die Partei doch traditionell viele Anhänger der „sanften“ Medizin. Nun aber wollen die einen die Kassenfinanzierung abschaffen, die anderen möchten einem größeren Teil ihrer Wählerklientel nicht vors Schienbein treten. In Zeiten, in denen ihre Popularität hoch ist wie nie, kommt der Streit ungelegen. Doch die Grünen müssen sich fragen lassen: Ja was denn nun? Beim Thema menschgemachter Klimawandel hört ihr zu Recht auf die Wissenschaft. Und geht es um die Wirksamkeit schüttelnd verdünnter Präparate, da soll Wissenschaft und ihr evidenzbasierter Ansatz Schnickschnack sein? Aber die Grünen sind Profis. Und lösen den Konflikt mit einem typisch politischen Ansatz. Das Thema wird auf einen späteren Parteitag verschoben, Zeit wird gewonnen. Glaubwürdigkeit geht anders.

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