Kommentar: Das sind die Probleme beim autonomen Fahren

Schöne neue Autowelt : Das sind die Probleme beim autonomen Fahren

Daimler und BMW glauben, diesmal einen „revolutionären Trend“ rechtzeitig erkannt zu haben, nachdem man ihn beim Elektroauto gründlich verschlafen hat. Das könnte freilich schon wieder die falsch sein. Ein Kommentar.

Im Science-Fiction-Film kommen die Autos lautlos angeschwebt, die Türen gleiten hoch, man nimmt Platz und los geht die hundert Prozent sichere, weil autonome Fahrt. Nun bilden Daimler und BMW eine milliardenschwere Achse, um diese Technologie auch in Deutschland zu entwickeln. Man glaubt, diesmal einen „revolutionären Trend“ rechtzeitig erkannt zu haben, nachdem man ihn beim Elektroauto gründlich verschlafen hat. Und die Politik unterstützt die Forschung nach Kräften. Das könnte freilich schon wieder die falsche Entscheidung sein. Mindestens sollte man die Euphorie deutlich herunterschrauben.

Das eine Problem ist ökonomischer Art. Das autonome Auto wird vom Computer gesteuert und eingetaktet in den Gesamtverkehr. PS-Stärke spielt keine Rolle mehr, individuelles Fahrkönnen auch nicht. Und die Geschäftsmodelle werden beim Robo-Auto bald auf Car-Sharing hinauslaufen, wo man allenfalls noch zwischen verschiedenen Varianten bei der Innenausstattung wählen kann. Das eigene Auto in der Garage macht kaum noch Sinn. Für jene Käufer, die mit ihrer Modell- und Motorwahl bisher zeigen wollten, was für tolle Hechte sie sind, ist das wenig attraktiv. Daimler und BMW werden hier Kundschaft verlieren.

Das größere Problem liegt in den Städten und Dörfern. Dort funktioniert Verkehr zwar nach Regeln, die ein Computer lernen kann, aber hier bewegen sich auch noch andere „autonom“ im gleichen Raum. Fußgänger, Radfahrer, manchmal sogar ein Kind. Alles Mögliche. Bisher interagieren Autofahrer und alle anderen Passanten hier permanent miteinander. Ein Computer mit noch so vielen Sensoren ist aber kein Mensch. Das autonome Auto setzt klare Verhältnisse voraus - einen von Menschen und Tieren bereinigten Weg, also eine Straße mit Leitplanken, zwischen denen nicht viel Unvorhergesehenes passieren kann. Und wenn doch, bremst das KI-Auto sofort. In der Stadt herkömmlicher Prägung käme das selbstfahrende Auto aus dem Bremsen nicht heraus; es könnte sogar mutwillig ausgebremst werden. Einfach eine Mülltonne auf die Straße stellen und es hält auf ewig. Jedenfalls, wenn es ein Robotaxi auf Leerfahrt ist. Für das autonome Auto müssten die Städte komplett autogerecht umgebaut werden. Freie Fahrt für freie Computer. Eine schöne neue Welt wird das werden.

Werner Kolhoff. Foto: nn

Es wird sowohl aus der Sicht der Nutzer als auch aus der Sicht der Städte sinnvoll sein, die Entwicklung auf jene Bereiche zu konzentrieren, in denen das autonome Fahren tatsächlich Vorteile hat. Beim Stop-and-Go- und Kolonnen-Verkehr auf der Autobahn zum Beispiel. Freilich wird sich mancher dann fragen, warum er nicht gleich die Bahn benutzt. Automatisches Einparken ist ebenfalls eine viel versprechende Funktion. Aber dafür so ein Aufwand? Können tatsächlich nur so wenige noch ihren Wagen alleine abstellen?

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