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Kommentar: Das Feuer von Krefeld geht nah – auch in der Ferne

Meinung : Das Feuer von Krefeld geht nah – auch in der Ferne

Die Betroffenheit in der Region ist nach dem Feuer im Krefelder Affenhaus enorm. Aber das Echo ist weltweit groß – und das hat Gründe.

Der Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos und der Tod vieler Tiere geht den Menschen nah. In unserer Region nur zu verständlich – und nicht nur wegen der geografischen Nähe. Viele Menschen erinnern sich selbst an Kindertage, als ihr erster Weg  beim Zoobesuch in Krefeld ins Menschenaffenhaus führte. Oder sie waren erst kürzlich da, manche haben regelrecht alte Bekannte verloren. Die persönliche Betroffenheit ist groß.

Doch das Inferno von Krefeld hallt viel weiter nach. Nachrichtenportale aus Kamerun, Indien, Großbritannien berichten ausführlich über den Zoobrand. Sogar in Australien, das doch gerade selbst gegen Buschfeuer mit deutlich verheerenderen Folgen für Tiere und deren Lebensraum kämpft. Dass der Tod der Krefelder Affen so viele ins Herz trifft, die den Zoo selbst nie betreten haben, sagt viel über das menschliche Herz.

Ein Kommentar von Juliane Kinast. Foto: Judith Michaelis

Über dessen Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Art, weil die täglichen Toten im Mittelmeer oder weltweit durch Hunger nicht ständig solche Schlagzeilen und Beileidswellen im Netz auslösen? Nein, das wäre zu spitz formuliert. Nur kann das menschliche Herz anonyme Massen nicht gut fassen. Es blutet fürs Ermessliche – das hat übrigens die globale Anteilnahme gezeigt, nachdem 2015 das Bild von Alans kleiner Leiche, angeschwemmt an der Küste Bodrums, um die Welt gegangen war. Der Zoo Krefeld hat noch mit einem Bild der liebenden Orang-Utan-Mama mit Baby in den sozialen Netzwerken einen guten Rutsch gewünscht – Stunden vor dem Feuer. Massa, der bis dato älteste Gorilla-Mann Europas, war fast ein Promi. Das Leid hat ein Gesicht.

Und dazu ein fast, aber nicht zu menschliches. Primaten sind uns besonders nah (es sind übrigens auch Flughunde in dem Affenhaus gestorben). Aber Tier genug, um als grundsätzlich gut und schuldlos zu gelten. Die Grundannahme, dass sie nie bewusst etwas getan haben, um Schlechtes zu verdienen, vergrößert die Anteilnahme stets exponentiell, wenn Tiere oder Kinder Opfer werden.

Und dann ist da noch die Ausweglosigkeit, in der die Tiere starben. Sie waren eingesperrt, weil sie im Zoo geschützt leben sollten – und stattdessen nahmen die schützenden Wände ihnen jede Chance, um ihr Leben zu rennen. Das berührt tiefste menschliche Ängste. Egal ob in Indien oder Australien.

Das Drama von Krefeld hat nur eines nicht: einen Bösewicht. Laut Polizei wurde die Himmelslaterne, die den Brand auslöste, unbedarft gezündet. Vielleicht um Natur und Haustiere mit Böllerei zu verschonen? Oder einem lieben Menschen da oben gute Wünsche zu schicken? Es würde zu dieser Neujahrstragödie passen, dass es keine Täter, sondern nur Opfer gibt.