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Kommentar: Bahnchef Lutz, jetzt gilt’s

Kommentar : Bahnchef Lutz, jetzt gilt’s

Nein, man kann der Bundesregierung wirklich nicht vorwerfen, dass sie die Bahn vernachlässige und die Verkehrswende schon an dieser Stelle nicht ernst nehme.

Die Koalition hat eine Verdopplung der Passagierzahlen bis 2030 angepeilt, und sie unterfüttert das jetzt mit vielen Milliarden zur Sanierung des Schienennetzes und zur Vorbereitung eines attraktiven „Deutschlandtaktes“. Auch scheint der aktuelle Verkehrsminister – anders als seine Vorgänger – ein Faible für diesen Verkehrsträger zu haben.

Fehlendes Geld und Sanierungsstau sind spätestens in zehn Jahren keine Entschuldigung mehr. Betonung auf: In zehn Jahren. Es wäre wirklich sehr kurzatmig und populistisch, wenn man der Bahn angesichts einer solchen Mammutplanung nun immer noch alle paar Monate Verspätungsstatistiken oder den Ausfall von Klimaanlagen um die Ohren schlagen und den Rücktritt ihrer Manager fordern würde. Zumal die aktuelle Chef-Generation des Unternehmens unter Führung von Richard Lutz offenbar begriffen hat, um was es wirklich geht: Um das Brot- und Buttergeschäft. Nämlich die Beförderung von Menschen und Gütern von A nach B. Sicher, schnell und zuverlässig. Aber bevor es besser wird, muss es wohl erst einmal schlechter werden. Die Bahn wird Großbaustelle. Seien wir froh darum.

Zu einer echten Verkehrswende gehört freilich noch mehr: Der Anreiz umzusteigen. Also weg von Auto und Lkw. Da würde es schon mal helfen, die Bahntickets zu verbilligen, etwa durch eine Senkung der Mehrwertsteuer. Und den Autoverkehr gleichzeitig zu verteuern. Wer A sagt, muss auch B machen. Denn es ist ziemlich sinnfrei, mit vielen Milliarden das Schienen-Netz zu sanieren und auszubauen, wenn am Ende die Autobahnen immer noch so voll sind wie jetzt, und die Luft immer noch belastet wird.