Meinung Kahlschlag bei Kaiser’s

Bei der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann steht jeder zweite Arbeitsplatz auf der Kippe. So schlimm diese Nachricht aus Sicht der Betroffenen auch ist, wirklich überrascht dürften die Beschäftigten nicht sein.

Denn sie erleben täglich, dass Kunden ausbleiben und dass Kollegen kündigen. Seit zwei Jahren zieht sich die geplante Übernahme von 450 Supermärkten der Marken Kaiser’s und Tengelmann durch den Marktführer Edeka schon hin. Weil keiner weiß, wie es weitergeht, fehlt jedes Konzept. Die Verluste der Kette sind inzwischen auf zehn Millionen Euro pro Monat gestiegen.

Wer nach Schuldigen sucht, wird zunächst bei Karl-Erivan Haub fündig. Der Tengelmann-Eigentümer hatte sich früh auf einen Verkauf an Edeka festgelegt, ohne die Offerten der Konkurrenz ernsthaft zu prüfen. Dabei war klar, dass das Bundeskartellamt dem Geschäft nicht zustimmen würde. An dieser Stelle betritt der zweite Schuldige die Bühne, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Kraft seines Amtes wollte er das Veto der Kartellwächter per Ministererlaubnis aushebeln und sich gleichzeitig als Retter der Arbeitsplätze feiern lassen. Das ging gründlich daneben. Das Oberlandesgericht Düsseldorf attestierte dem Minister, bei seiner Entscheidung falsch gespielt zu haben. Von Befangenheit, fehlender Neutralität und geheimen Gesprächen ist die Rede. Das sind gravierende Vorwürfe, die Gabriel zwar zurückweist, bis heute aber nicht glaubwürdig entkräftet hat. Der Streit geht vor Gericht weiter, was noch mehrere Jahre dauern kann.

Derweil droht vielen Filialen die rasche Schließung. Gabriel sollte umlenken und mit allen Interessierten über rechtssichere Alternativen verhandeln. Neben Edeka würden auch Rewe und Markant Märkte von Kaiser’s Tengelmann übernehmen. Es wäre von Anfang der bessere Weg gewesen, die Filialen an verschiedene Mitbewerber zu verkaufen. Noch ist das möglich. Noch kann Gabriel den Arbeitsplatzverlust in Grenzen halten.

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