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Iran-Krise: Wie London sich ins Abseits manövriert hat

Meinung : Iran-Krise - Wie London sich ins Abseits manövriert hat

Eigentlich will Großbritannien, wie Frankreich und Deutschland auch, am Atomabkommen mit dem Iran festhalten. Und nun steht das Land an der Seite von US-Präsident Donald Trump, der dem Iran mit einer Strategie des maximalen Drucks begegnet.

Die jüngste Eskalation des Konflikts in der Straße von Hormus begann am 4. Juli. An jenem Donnerstag wurde in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar ein Supertanker aus dem Iran an die Kette gelegt, weil die Lieferung angeblich nach Syrien gehen sollte. London hatte sich von der US-Regierung in Washington breitschlagen lassen und das Schiff beschlagnahmt. Die Vergeltung des Mullah-Regimes in Teheran ließ nicht lange auf sich warten. Seit Freitag hängt ein britischer Tanker in iranischen Gewässern fest. Großbritannien will den Iran mit Strafmaßnahmen belegen und prüft „eine Reihe von Optionen“. Mehr als Wortgeklingel verbirgt sich dahinter aber nicht.

Bei Lichte betrachtet sind Londons Möglichkeiten sehr begrenzt. Jene imperiale Größe, die die Brexit-Freunde Großbritannien gerne attestieren, gibt es längst nicht mehr. Das Land kann und will keinen Krieg gegen den Iran führen. Vieles spricht dafür, dass die Briten ihre Gibraltar-Aktion inzwischen sogar bereuen. Denn London ist in Europa isoliert. Spanien geht auf Distanz zu dem Manöver vor seiner Küste. Und aus der EU-Zentrale in Brüssel ist nichts Zustimmendes zu hören. Die wegen des drohenden Brexits tief zerstrittene Regierung in London steht plötzlich auf der falschen Seite.

Kommentar Rolf Eckers Foto: Sergej Lepke

Eigentlich will Großbritannien, wie Frankreich und Deutschland auch, am Atomabkommen mit dem Iran festhalten. Und nun steht das Land an der Seite von US-Präsident Donald Trump, der dem Iran mit einer Strategie des maximalen Drucks begegnet – obwohl er damit das Risiko einer militärischen Eskalation eingeht. In einen möglichen Krieg am Persischen Golf möchte London von Washington aber nicht hineingezogen werden. Dazu sind die Erinnerungen an die Irak-Katastrophe von 2003 unter Führung von US-Präsident George W. Bush noch zu frisch.

Als Trump vor einem Jahr das Atomabkommen zerstört hat, agierte der Iran mit seinen Terror-Truppen in der Region bereits sehr aggressiv, aber das Atomprogramm des Landes war unter internationaler Kontrolle. Heute ist der Iran immer noch Geldgeber von Hamas, Hisbollah und Huthis. Aber er ist zusätzlich auf dem Weg, zur Atommacht aufzusteigen. Dieses gefährliche Versagen der Trumpschen Außenpolitik dürfte selbst Boris Johnson nicht gefallen.

Der künftige Regierungschef Großbritanniens sieht sich zwar in Sachen Brexit und neuen Handelsabkommen  nah beim US-Präsidenten, die militärischen Wünsche aus Washington stoßen aber bei den Briten auf Widerstand. Insofern muss sich Johnson schneller als ihm lieb ist klar positionieren: Mit Trump gegen den Rest der Welt oder besser Politik mit einem Rest an Vernunft.