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Insolvenz von Thomas Cook: Verbraucher besser vor Pleiten schützen

Meinung : Insolvenz von Thomas Cook – Verbraucher endlich besser vor Pleiten schützen

Der Massentourismus frisst seine Kinder. Nun hat es mit Thomas Cook sogar einen weitverzweigten Reisekonzern erwischt. Wieder einmal soll es nun der Staat richten.

Erst vor zwei Jahren flog Air Berlin in die Pleite, im vergangenen Frühjahr die Fluggesellschaft Germania, und nun hat es mit Thomas Cook sogar einen weitverzweigten Reisekonzern erwischt. Der Massentourismus frisst seine Kinder. Einmal mehr womöglich auch in Deutschland. Denn wer zum Beispiel mit Neckermann oder Bucher Urlaub macht, dem muss sich beim Anschauen seiner Reiseunterlagen nicht sofort erschließen, dass Thomas Cook dahinter steckt. Entsprechend dürften viel Urlauber gestern auch geschockt gewesen sein, als sie feststellen mussten, dass die „schönsten Tage des Jahres“ nur noch ein Albtraum sind.

Wieder einmal soll es nun der Staat richten. Das Auswärtige Amt hat gestrandeten deutschen Urlaubern Unterstützung zugesagt. Und auch über einen Zwischenkredit für die Thomas-Cook-Tochter Condor wurde diskutiert. Air Berlin war ja ebenfalls mit Steuergeldern geholfen worden. Und immerhin wurde das Geld auch zurückgezahlt. Kann man alles machen. Der Fall ist aber vor allem dazu angezeigt, seitens der Politik grundsätzlich über eine Stärkung der Verbraucherrechte nachzudenken. Denn hier hat die Bundesregierung ihre Hausaufgaben eher schlecht gemacht.

Ein Kommentar von Stefan Vetter. Foto: k r o h n f o t o . d e

Laut EU-Recht muss die Absicherung eines Reiseanbieters gegen Insolvenz einen wirksamen Schutz für die Konsumenten bieten. Deutschland hat sich für eine Versicherungslösung entschieden, den mindestens erforderlichen Absicherungsbetrag pro Reiseiveranstalter jedoch bei 110 Millionen Euro gedeckelt. Für kleinere Anbieter mag das noch angehen. Bei einem Branchenschwergewicht ist jedoch ungewiss, ob der Betrag im Falle einer Pleite ausreicht, alle Ansprüche zu begleichen.

Dabei sind Pauschalurlauber noch verhältnismäßig gut dran. Während sie beispielsweise bei der Insolvenz ihrer Airline abgesichert sind, fehlt ein entsprechender Schutz wenn Tickets direkt bei der Fluggesellschaft gekauft werden. Auch das beklagen Verbraucherschutzorganisationen  seit Jahren. Entscheidend zum Besseren gewendet hat sich nichts.

Natürlich kann man auch den Massentourismus beklagen. Für viele Menschen ist es schick geworden, gleich mehrmals im Jahr irgendwohin zu reisen, Flug und Hotel inklusive. Aber verbieten lässt sich das nicht. Höchstens eindämmen. Durch deutlich teurere Flugtickets zum Beispiel, oder die Einführung von Mindeststandards bei den Reisenabietern. Würden sämtliche Kosten von den Umweltlasten bis zum Insolvenzrisiko realistisch in den Reisepreis eingerechnet, wäre viel gewonnen. Es wäre auch ganz im Sinne eines umfassenden Verbraucherschutzes.