Ihr verrückten Briten, lasst den Brexit doch einfach

Meinung : Ihr verrückten Briten, lasst den Brexit doch einfach

Liebe Briten, es ist Zeit für einen neuen Anlauf. Eigentlich war alles gesagt, das Tischtuch zerschnitten, die Liebe erkaltet. Aber manchmal gibt es im Leben eine zweite Chance. „Es ist. Ist es nicht?“

Seit wir uns beim Lesen von „Asterix und die Briten“ unter den Tisch gelacht haben, hattet Ihr einen klischeebeladenen, aber festen Platz in unseren Herzen: etwas spleenig vielleicht und ein bisschen zu oft auf eine Extrawurst bedacht, aber im Grunde in Eurer leicht gequälten Originalität auch irgendwie liebenswert. Von Eurem wunderbaren Land ganz zu schweigen. Wer dieses verrückte Konglomerat von Engländern, Walisern, Schotten und Iren nicht liebt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und Eurer Queen liegt doch mittlerweile die ganze Welt zu Füßen.

Doch dann habt Ihr leider hohlen Populismus mit durchdachtem Eigensinn verwechselt und mit knapper Mehrheit den Ausstieg aus der EU erklärt. Zweieinhalb Jahre ist das jetzt her. Es gibt Menschen, die haben weniger Zeit zum Nachdenken. Wir sind sicher, Ihr habt sie genutzt. Nicht alle vielleicht, aber mehr als damals im Juni 2016.

Jetzt hat Euch der Europäische Gerichtshof noch mal eine goldene Brücke über den Ärmelkanal gebaut. Ihr könntet den Brexit mitsamt dem 600 Seiten starken Austrittsvertrag einfach in der Nordsee versenken, als wäre nichts gewesen – ohne uns noch mal zu fragen. Wenn Ihr das bringen würdet, hätte Eure Spleenigkeit endgültig Kultstatus erreicht und Eure Art, Politik zu betreiben, wäre ein Anwärter auf die Eintragung als Weltkulturerbe. Wäre das nicht ein Traum? Es ist. Ist es nicht?

Ein Kommentar von Ekkehard Rüger. Foto: ja/Sergej Lepke

Dieser Traum kostet Euch nur einen einzigen Brief an den EU-Rat. Ihr schreibt einfach, dass Ihr eindeutig und bedingungslos in der Europäischen Union bleiben wollt. Das war es. Wie Ihr das im Detail hinbekommt, ob mit einem neuen Referendum oder nicht – Eure Sache. Aber macht es. Ihr habt noch gut drei Monate Zeit.

Dass in den vergangenen zweieinhalb Jahren jede Menge Geld, Nerven und Zeit in unsere Trennung gesteckt wurde – Schwamm drüber. Damals wart Ihr unter den Ersten, die dem Populismus Tür und Tor geöffnet haben. Jetzt könntet Ihr zu den Ersten gehören, die ihm wieder die Tür vor der Nase zuschlagen. Das könnte der Anfang einer neuen, besseren Zeit in Europa sein. Und Ihr vorneweg. Das müsste doch Balsam für die geschundene Empire-Seele sein.

Statt weiter mit der Brexit-Abstimmung zu taktieren und am Ende ins Chaos eines ungeregelten Austritts zu schliddern, lasst den ganzen Quatsch also einfach sein. Unseren Rückhalt habt Ihr. Und am Ende stoßen wir  auf eine große gemeinsame Zukunft an – gerne mit einem Guinness.
Herzlichst, Eure EU

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