Höhere Mehrwertsteuer für Fleisch: Fleischeslust und Fleischesfrust

Diskussion über höhere Fleischsteuer : Fleischeslust und -frust

Die Idee einer höheren Fleischsteuer ist attraktiv – die Umsetzung aber könnte Tücken bereithalten.

Das klingt doch erst mal toll: Die Mehrwertsteuer für Fleisch wird von sieben auf 19 Prozent angehoben und der deutsche Verbraucher endlich zu dem gezwungen, was Politik, Landwirte, Tierschützer schon so lange wollen: mehr Geld für ordentliche Haltungsbedingungen der Nutztiere auszugeben. Aber gut gedacht ist leider noch nicht gut gemacht. Und wenn diese Steuererhöhung nicht gut gemacht würde, wäre sie entweder eine Luftnummer und Verbraucher-Verhohnepipelung. Oder sogar eine Subvention für prekär produziertes Billigfleisch aus dem Ausland.

Käme die höhere Fleischsteuer nicht direkt und nachweislich den Landwirten zugute, so verfehlte sie ihren Zweck. Das Problem: Sie müsste für alles in Deutschland verkaufte Fleisch gelten. Denn laut Rheinischem Landwirtschaftsverband achten nur 30 Prozent der Verbraucher auf die Herkunft, die  Mehrheit entscheide im Supermarkt noch immer streng nach Preis. Und so könnte es dazu kommen, dass sich Otto Normalverbraucher statt für das tierwohloptimierte Inlandsfleisch für US-Importe entscheidet, die mit Wachstumshormonen und genverändertem Futter deutlich billiger produziert werden können. Und das kann auf keinen Fall im Sinne des Fleischsteuer-Erfinders sein. Aber: Wie kann man die höheren Mehrwertsteuereinnahmen zugunsten einer besseren Tierhaltung an US-Fleischhersteller abführen? Oder gehen die einfach komplett an einheimische Bauern und verschaffen ihnen dann sogar einen Finanzbonus gegenüber den Importeuren? Gälte der EU das als unlautere Subvention?

Man sieht: Die Fleischsteuer könnte es in der Praxis schwer haben. Dennoch ist die Suche nach neuen Ideen gut. Denn wenn noch immer bloß 30 Prozent ihre Kaufentscheidung von der Herkunft des Fleisches abhängig machen, ist deutlich: Allein der Macht des Verbrauchers darf man das Wohl der Tiere nicht überlassen.

Juliane Kinast. Foto: Judith Michaelis
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