Handelskrieg

Meinung: Abwärts mit Aktien

Das sind jene Tage, die die Bundesbürger darin bestärken, am besten die Finger von Aktien zu lassen. Weltweit geht es an den Börsen abwärts, weil die Finanzchefin des chinesischen Hightech-Konzerns Huawei in Kanada auf Drängen der USA verhaftet wird.

Kann das sein? Ja, es kann. Meng Wanzhou gehört zu den führenden Köpfen in Chinas wichtigstem Unternehmen, das in der Welt mehr Smartphones verkauft als Apple und den USA die Technologieführerschaft streitig macht. Dass sie inhaftiert wird, während China mit den USA über Wege aus dem Handelskonflikt verhandelt, belastet die Gespräche schwer. Die Angst vor einem Handelskrieg, der eine weltweite Rezession auslösen kann, geht um – und zwar mit Recht.

Seit der Finanzkrise vor zehn Jahren kennen die Aktien fast nur eine Richtung – nach oben. Weltweit ging es mit der Konjunktur bergauf, die Unternehmen legten bei Umsatz und Gewinn zu, viele neue Arbeitsplätze sind entstanden. Die Stimmung an der Börse war prächtig. US-Präsident Donald Trump hat diesen Trend noch verstärkt. In der ersten Hälfte seiner Amtszeit sorgte er mit Steuersenkungen auf Pump für ein wahres Kursfeuerwerk. Doch nun zeigen sich die Schattenseiten dieser Politik, weil er die ohnehin boomende US-Wirtschaft in die Nähe der Überhitzung gebracht hat. Die Notenbank ist gezwungen, den nun steigenden Preisen mit höheren Leitzinsen Einhalt zu gebieten. Was droht, ist der harte Wechsel von der Hochkonjunktur in die Flaute.

Es ist deshalb durchaus möglich, dass die Aktienkurse noch weiter fallen. Vor allem hierzulande dürfte das viele Menschen freuen, weil sie der Meinung sind, dass dann endlich auch die Vermögenden etwas verlieren. Millionen Niedriglöhner fühlen sich als Abgehängte, die vom jahrelangen Aufschwung nichts abbekommen haben. Sie wollen besser bezahlt werden, aber sicher nicht, um Aktien zu kaufen. Das ist zwar verständlich, aber nicht klug. Denn auf lange Sicht lohnt sich das, allen Turbulenzen zum Trotz.

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