Grindel und der heiße Stuhl des DFB

Meinung : Grindel und der heiße Stuhl des DFB

Fassungslos hat Reinhard Grindel am Dienstag seinen Rücktritt aus dem Amt des DFB-Präsidenten als erzwungen gedeutet. Aber er hatte gegen den Mainstream und auch gegen sich selbst keine Chance mehr.

Schon vor sechs Wochen beim Besuch dieser Zeitung machte Reinhard Grindel einen gehetzten Eindruck, empfand, von Medien gejagt zu werden. Dabei war Grindel nicht immer im Unrecht, mit mancher Bewertung in der Özil-Erdogan-Krise oder dem katastrophal verlaufenen Abschied der Bayern-Nationalspieler lag er durchaus richtig. Aber er hatte gegen den Mainstream und auch gegen sich selbst keine Chance  mehr.

Es fehlten Gespür und Rückhalt: im DFB-Hauptquartier, bei den Journalisten, bei der Nationalmannschaft, in der Deutschen Fußball Liga. Stattdessen gründete sich Grindels Macht auf die Zustimmung der Landesfürsten, die ihm nach dem beliebten Wolfgang Niersbach ins Amt verhalfen. Zustimmung der Amateure im Verband also. Auch deshalb wurde er stets als solcher wahrgenommen. Und weil er mit Verbissenheit dagegen ankämpfte, war da nie Glanz, den er auf den Fluren der Frankfurter Zentrale gegenüber Mitarbeitern auch mit preußischer Gesinnung nicht einfangen konnte.

Der DFB hat die Erkenntnis gewonnen, dass sein Vorzeige­posten eine Durchlaufstation ist. Ein heißer Stuhl, den nacheinander Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Niersbach und Grindel unfreiwillig verlassen haben. Weil sie über Strukturen stolperten, über Mentalitäten, Eitelkeiten oder Nachlässigkeiten, aber auch über eine Öffentlichkeit, die ein Amt scharf im Auge hat, das zu groß geworden ist für eine Person: Amateure, Nationalmannschaften, Medien, DFB, Uefa, Fifa – es braucht eine Reform dieses Amtes. Mit einer präsidialen und integren Figur, an der kein Zweifel haftet, und einem Management-Apparat, der das Geschäft erledigt.

Ein Kommentar von Olaf Kupfer. Foto: ja/Sergej Lepke
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