Greta, Trump und Nachhaltigkeit - Die verschiedenen Welten in Davos

Kommentar : Davos und die zwei Welten

Zwei Welten prallen in Davos aufeinander: Auf der einen Seite die des hemmungslosesten Wachstums-Apologeten unserer Zeit, Donald Trump. Auf der anderen Seite der Alarmismus Greta Thunbergs. Aber es gibt auch noch eine dritte Welt.

Konjunktureinbrüche, Handelsprobleme, Finanzmarktkrisen – Davos war 50 Jahre lang ein wichtiges Forum für die Wirtschaftslenker dieser Welt. Wachstum über alles war das Ziel. Beim Jubiläumstreffen dringt nun mehr denn je auch die Klimakrise in die Beratungssäle vor. Zwei Welten prallen deshalb aufeinander. Auf der einen Seite die des hemmungslosesten Wachstums-Apologeten unserer Zeit, Donald Trump. Seine Rede kann gegenüber dem Problem der Klimaveränderung nur als ignorant bezeichnet werden.

Auf der anderen Seite der Alarmismus Greta Thunbergs, die zur globalen Ikone eines hilflosen Aufschreis junger Menschen geworden ist. Es gibt übrigens noch eine dritte Welt, die soziale Wirklichkeit. Sie lauert vor der Tür. Stichwort fairer Handel und faire Arbeit.

Der Kapitalismus, der so viel Wohlstand gebracht hat und immer noch bringt, gerät an vielen Fronten in eine Legitimationskrise. Nicht nur bei den jungen Menschen. Der Unmut wächst. Er äußert sich immer häufiger und an vielen Orten. Ob bei sozial motivierten Demonstrationen in Südamerika, bei Aktionen gegen die IAA in Frankfurt oder bei Enteignungsinitiativen gegen Immobilienspekulanten in Berlin.

Die Welt einen besseren Platz machen, das ist das zentrale Versprechen freien Wirtschaftens. Bisher wird seine Erfüllung nur in Wachstumsraten gemessen, so wie bei Trump. Oder in der Höhe von Gewinnen. Es werden wohl noch zwei Dinge dazu kommen müssen, wenn die Zustimmung wieder steigen soll: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Es ist gut, dass Forum-Chef Klaus Schwab die Debatten darüber zulässt. Aber Reden allein wird nicht reichen. Am Ende wird es auch um Verzicht und Verteilung gehen. Global und in jeder Nation. Das sind Lösungswege, die bei den Wirtschaftsvertretern in Davos allerdings nicht so gerne gehört werden.

Werner Kolhoff. Foto: nn